Blick von oben auf das "Müritzeum": Rechts ist die Müritz, links steht das Müritzeum im Herrensee. Foto: Archiv Nordkurier

Urlaubsort Waren an der Müritz ist immer eine Reise wert

Normalerweise scheint in der Mecklenburgischen Seenplatte ja fast immer die Sonne. Der Urlaubsort Waren an der Müritz erfreut sich inzwischen ganzjährig großer Beliebtheit bei Touristen. Bei schlechtem Wetter empfehlen wir ein Museum, das in einem See steht – und die Wasserbewohner zeigt.

176 Stufen hoher Turm der Marienkirche

Wenn das Wetter mal nicht so toll ist – zwei Tage kann man sich im Urlaubsort Waren an der Müritz, der Hauptstadt der Mecklenburgischen Seenplatte, locker mit Sehenswürdigkeiten und Kultur beschäftigen. Am besten, man fängt mit Treppensteigen an.

Der Hafen liegt unmittelbar an der Altstadt von Waren an der Müritz. Foto: Hartmut Nieswandt
Der Hafen liegt unmittelbar an der Altstadt von Waren an der Müritz. Foto: Hartmut Nieswandt

Es sind genau 176 Stufen, dann ist man oben auf dem Turm der Marienkirche und hat einen wunderbaren Blick auf die Stadt und die wasserreiche Umgebung (der Aufstieg ist neu angelegt und bequem zu meistern). Auf die Müritz in Richtung Süden, dort befindet sich auch der Müritz-Nationalpark. Richtung Norden erstreckt sich der Tiefwarensee, im Westen ist der Kölpinsee zu sehen und im Südosten der Feisnecksee.

Waren an der Müritz hat Kirche mit der Pudelmütze

Und direkt am Fuß des Kirchturms erstreckt sich die Altstadt mit Neuem Rathaus, Müritzeum und einem Stückchen weiter dem Kachelofenmuseum. Die Marienkirche – der gotische Turm erhielt einen barocken Helm, darum wird sie auch „die Kirche mit der Pudelmütze“ genannt – entstand aus den Überresten der Burgkapelle der nicht mehr existenten Warener Burg im 13. und 14. Jahrhundert. Sie ist das älteste erhaltene Bauwerk der Stadt. Das zweite große Gotteshaus ist die Georgenkirche, sehr gut von der Marienkirche aus zu sehen. wurde die Kirche neugotisch überbaut.

Blick von der Binnenmüritz auf die Warener Altstadt mit der Marienkirche, der "Kirche mit der Pudelmütze". Foto: Hartmut Nieswandt
Blick von der Binnenmüritz auf die Warener Altstadt mit der Marienkirche, der „Kirche mit der Pudelmütze“. Foto: Hartmut Nieswandt

Nachdem man die 176 Stufen wieder heruntergegangen ist, sei ein Besuch im wenigen Meter entfernten Neuen Rathaus empfohlen. Das Gebäude direkt am Neuen Markt wurde 1797 im Stil der Tudorgotik als dreigeschossiger Putzbau errichtet und Mitte des 19. Jahrhunderts im neugotischen Stil umgebaut. Dem Zeitgeschmack entsprechend finden sich auch Stilelemente aus der Tudorgotik.

Und das war tragisch vor 100 Jahren: Auf der Rückseite des Rathauses ist deutlich eine Einschussstelle zu sehen. Sie stammt von dem Angriff des Barons Le Fort, der während des Kapp-Putsches am 18. März 1920 mit einer Kanone auf Waren schießen ließ, um die „Roten“ auszuräuchern. Fünf Warener Bürger bezahlten diesen Angriff mit ihrem Leben.

Rathaus von Waren an der Müritz hat ein Loch

Seit 1998 befindet sich im Rathaus das Stadtgeschichtliche Museum, das Ausgangspunkt für viele weitere Unternehmungen wie etwa Stadtrundgänge sein sollte. Das Alte Rathaus aus dem frühen 15. Jahrhundert befindet sich an der Nordostecke des Alten Marktes. Es ist ein sehr gut erhaltenes zweigeschossiges Backsteingebäude mit Arkaden, die als Gerichtslaube dienten.

Direkt am Neuen Markt steht das Neue (inzwischen auch alte) Rathaus (rechts), hier befindet sich das Stadtmuseum. Foto: Archiv Nordkurier
Direkt am Neuen Markt steht das Neue (inzwischen auch alte) Rathaus (rechts), hier befindet sich das Stadtmuseum. Foto: Archiv Nordkurier

Wer noch gut drauf ist, der ist jetzt in das „Müritzeum“ eingeladen. „Olle Teller, olle Bücher, olle Möbel – nee, keine Lust!“, hat die junge Generation nun gar keine Lust auf Museum. Aber erzählen Sie dem Kind doch, dass man in diesem Museum mitten im See steht, ohne nass zu werden. Und dass sich hinter der größten Glasscheibe Europas 500 silberne Fische in 100 000 Liter Wasser tummeln.

Müritzeum in Waren ist Haus der Superlative

„Gibt es doch gar nicht“, ist das umworbene Kind sicher. Gibt es aber doch. Und zwar in einem wunderbaren Gebäude, das „Müritzeum“ heißt und in Waren (Müritz), mitten in der Mecklenburgischen Seenplatte steht. Ein richtiges Museum ist es eigentlich nicht, sondern viel mehr.

Ufo oder uraltes Schiff? Die Architektur des "Müritzeums" erregt Aufsehen. Foto: Archiv Nordkurier
Ufo oder uraltes Schiff? Die Architektur des „Müritzeums“ erregt Aufsehen. Foto: Archiv Nordkurier

Denn das Müritzeum ist ein Haus der Superlative, von innen wie von außen. Stolz thront das mit verkohltem Lärchenholz verkleidete „Haus der 1000 Seen“ am Rande der Altstadt. Mit seiner einmaligen Architektur taucht es imposant aus dem Herrensee auf. Im Sommer 2007 wurde es eröffnet.

Am künstlichen Flusslauf können die Besucher das Leben von der Quelle bis zur Mündung beobachten. Foto: Archiv Nordkurier
Am künstlichen Flusslauf können die Besucher das Leben von der Quelle bis zur Mündung beobachten. Foto: Archiv Nordkurier

Das mit einem internationalen Architekturpreis ausgezeichnete Gebäude hat eine lange Vorgeschichte: Aus dem von Hermann Freiherr von Maltzan im Jahr 1866 gegründeten „Von Maltzan’schen Naturhistorischen Museum für Mecklenburg“ und späteren „Müritz-Museum“ entstand das heute überregional bekannte Zentrum für Naturerlebnis, Umweltbildung und Naturforschung. Also strömen bei Wind und Wetter viele naturliebende Besucher in das Erlebniszentrum.

Einmaliger Blick auf Deutschlands größten Binnensee

Mittelpunkt der Unterwasserwelt ist Deutschlands größtes Süßwasseraquarium mit 100 000 Litern Wasser. Das fast sechs Meter hohe Becken erstreckt sich über zwei Etagen, hier tummeln sich 500 silberne Maränen, ein einheimischer Fisch aus den Tiefen der Müritz, dem größten Binnensee Deutschlands, über den man einen schönen Blick von der Dachterrasse des Müritzeums hat.

Karpfen, Stöer, Hecht - hinter Glas lassen sich die einheimischen Fische vorzüglich beobachten. Foto: Archiv Nordkurier
Karpfen, Stöer, Hecht – hinter Glas lassen sich die einheimischen Fische vorzüglich beobachten. Foto: Archiv Nordkurier

Im Aquarium kann man regelmäßig Taucher beobachten, die alles sauber und in Ordnung halten. Auf der anderen Seite steht Seite das „Haus der tausend Seen“ wirklich im See – im Herrensee. Und zwar genau 70 Zentimeter. Das macht es im Untergeschoss möglich, unter der Wasserlinie zum Beispiel den dicken Karpfen in die glubschigen Augen sehen…

50 Fischarten, Schildkröten, Krebse und Schnecken

Daneben gibt es noch zahlreiche weitere Aquarienbecken, in denen neben fast 50 Fischarten auch Krebse, Sumpfschildkröten und Schnecken leben. In der naturgetreuen Nachgestaltung eines Flusslaufs kann man auf insgesamt 20 Metern Flussbewohner von der Quelle bis zur Mündung begleiten. Infos: Müritzeum, Zur Steinmole 1, 17192 Waren (Müritz), Rufnummer 03991 633680, E-Mail info@mueritzeum.de.

Wer noch möchte, kann gern – besser ist es aber, man plant den einmaligen Ausflug in die Geschichte für den zweiten Tag ein: In der Alten Kacheltöpferei in Waren kann der Besucher erleben, dass Kachelöfen nicht nur nützlich sondern auch schön sein können. Franz-Ulrich Poppe, Künstler und gelernter Kacheltöpfermeister aus Waren, erzählt: „Ofenmanufakturen waren um 1850 aus Gefäßtöpfereien hervorgegangen.“

Geschichte des Kachelofens ist hier erlebbar

In der Müritzstadt war die Kacheltöpferei Kalg ansässig. Im 1905 errichteten Produktionsgebäude, in dem bis zu den 1930er-Jahren Ofenkacheln geformt und gebrannt wurden, befindet sich heute das technische Museum. Und hier wird die Geschichte der Kacheltöpferei und des Kachelofens erlebbar. Im Jahr 2000 wurde mit der Sanierung und Ausgestaltung des Hauses begonnen. 2003 konnte Franz Poppe mit Unterstützung der Stadt Waren und dem Museums- und Geschichtsverein das in Mecklenburg-Vorpommern einmalige Kacheltöpfermuseum eröffnen.

Franz Poppe ist die gute Seele der Kachelofenfabrik. Foto: Archin Nordkurier
Franz Poppe ist die gute Seele der Kachelofenfabrik. Foto: Archin Nordkurier

Die Alte Kacheltöpferei, Am Teschenberg 2-3, 17192 Waren (Müritz), ist von Mai bis September zu besichtigen, man kann sie im Rahmen eines Stadtrundgangs entdecken. Interessierte melden sich bitte im Stadtgeschichtlichen Museum im historischen Rathaus am Neuen Markt, dort können auch Führungen vereinbart werden. Es ist montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr und am Wochenende von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Rufnummer: 03991 177351 und 03991 177137. Ansprechpartner für fachliche Fragen ist Franz Poppe, Rufnummer 03991 125480, E-Mail poppe-keramik@web.de

Übrigens: Dass in der DDR die Wirtschaft oft nicht gut funktionierte und fast alles knapp war, hatte auch sein Gutes: Dadurch behielt Waren (Müritz) fast die gesamte Altstadt. Die Stadt sollte zu sozialistischen Zeiten großzügig und modern umgestaltet werden. Um 1970 lagen die Projekte eines entsprechenden Indeenwettberwerbs vor. Von der Altstadt sollten die beiden großen Kirchen und das Rathaus stehen bleiben, für alle anderen Häuser hieß das Schicksal: Abrissbirne.

Altstadt von Waren an der Müritz überlebt die DDR

Moderne Plattenbauten waren auf den frei werdenden Flächen geplant. Nun waren diese Pläne nicht die reine Partei- und Behördenbosheit. Es ging auch darum, helle Wohnungen mit Bädern und Fernheizungen zu schaffen. Also einen Komfort zu bieten, den die uralten, oft maroden Altstadtwohnungen nicht bieten konnten. Nicht umsonst waren damals die Neubauwohnungen, die am Westrand der Stadt im Takt montiert wurden, heiß begehrt.

Aber die Geschichte lief anders, die DDR war einfach zu klamm, um diese Pläne umzusetzen. Hinzu kam, dass sich schon lange vor dem Fall der Mauer unter der Losung „Rettet die Altstadt!“ Widerstand gegen die Abrisspläne entwickelte. Hatte Waren doch um 1970 bereits ein Fünftel der Alststadt verloren, die einer neuen Eisenbahntrasse und der vierspurigen Stadtautobahn geopfert wurden. Das aber zu einem guten Teil zu Recht.

Blick von der Binnenmüritz auf die Warener Altstadt mit der Marienkirche. Die "Europa" läuft aus zu einr kleinen Seenrundfahrt. Foto: Hartmut Nieswandt
Blick von der Binnenmüritz auf die Warener Altstadt mit der Marienkirche. Die „Europa“ läuft aus zu einr kleinen Seenrundfahrt. Foto: Hartmut Nieswandt

Denn Waren ist „umzingelt“ nicht nur von der Müritz, sondern auch vom Tiefwarensee, dem Feisnecksee, dem Herrensee, dem Melzer See,der Elde und dem Kölpinsee. Stadtumgehungen waren also nicht so einfach machbar… Jedenfalls blieb die Abrissbirne draußen, nach der Wende wurde ein Haus nach dem anderen schön saniert – so ist heute das Quartier zwischen Müritz und Tiefwarensee ein Kleinod, durch das man unbedingt einmal schlendern sollte.

Dampferfahrt mit Flaggschiff der Weißen Flotte Müritz

Und zum Schluss gibt es zur Belohnung einen Ausflug mit einem echten Dampfer, der „Europa“. Sie ist das Flaggschiff der Weißen Flotte Müritz. Es ist ein Nachbau der legendären „Fontane“, wurde auf einer polnischen Werft auf Kiel gelegt. Burghard Preiss schob gemeinsam mit Weiße-Flotte-Geschäftsführer Horst Klatt diesen ambitionierten Nachbau an: Ostern 2006 hatte die „Europa“ ihre Jungfernfahrt auf der Müritz.

Die alte "Fontane" auf hoher See: Damals galt Qualm noch als eher romantisch… Foto: Archiv Nordkurier
Die alte „Fontane“ auf hoher See: Damals galt Qualm noch als eher romantisch… Foto: Archiv Nordkurier

Für einen Ausflug sind die „3-Seenfahrt zum Kölpinsee mit Müritzausfahrt bis Höhe Schloss Klink“  (zwei Stunden) oder die „Kleine Müritzrundfahrt bis Höhe Schloss Klink“ (eine Stunde) besonders empfehlenswert. Weitere Infos: www.weisse-flotte-mueritz.de, Rufnummer 03991 122668.

Waren (Müritz) ist gut mit der Bahn von Berlin aus zu erreichen, der Bahnhof befindet sich zehn Gehminuten vom Müritzeum und 15 Minuten von der Altstadt entfernt. Mit dem Auto ist Waren über die A 19, Abfahrt Waren (Müritz), gut zu erreichen. Gleich neben dem Müritzeum befindet sich ein großer Parkplatz. Hartmut Nieswandt

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