Schloss Mirow in der mecklenburgischen Seenplatte

Britische Queen aus Mecklenburg-Strelitz wuchs auf Schloss Mirow auf

„Mein Schatz aus Strelitz“ wurde sie von ihrem Gemahl König Georg III. genannt. Eine Millionenmetropole in den USA trägt ihren Namen, auch die Strelitzie hat mit ihr zu tun. Herzogin Sophie Charlotte, die spätere britische Queen Charlotte, wuchs auf Schloss Mirow auf.

Ein hübsches kleines Barockschloss in wunderbarer Lage auf einer Insel abseits der großen Straßen: Sehr nett anzuschauen, das Schloss Mirow mitten in der Mecklenburgischen Kleinseenplatte. Aber das war‘s dann auch? Nein, das war‘s nicht! Denn die Bedeutung des sorgfältig restaurierten Schlosses reicht trotz der idyllischen Abgeschiedenheit bis in die ganze Welt hinaus!

Herzogin Charlotte zu Mecklenburg wurde 1761 britische Königin

Die berühmteste Schlossbewohnerin war die spätere Queen Charlotte. Sie kam am 19. Mai 1744 in Mirow zur Welt. Als Tochter von Herzog Carl Ludwig Friedrich zu Mecklenburg und seiner Elisabeth Albertine von Sachsen-Hildburghausen. Als 17-Jährige heiratete sie am 8. September 1761 in London König George III. und wurde wenige Tage später zur Königin Charlotte von Großbritannien und Irland gekrönt.

Britische Königin Charlotte
Die britische Königin Charlotte wuchs in Mirow in Mecklenburg-Strelitz auf.

„Mein Schatz aus Strelitz“ wurde Charlotte von ihrem Gemahl genannt. Nach ihr wurde die heutige Millionenstadt Charlotte in den USA benannt. Aber auch die Paradiesvogelblume hat mit Charlotte zu tun: Ihr zu Ehren erhielt sie den Namen Strelitzie. Das alles spielt eine wichtige Rolle im Museum im Barockschloss auf der idyllischen Insel im Mirower See. Die Besucher sind herzlich eingeladen, hier einen interessanten Ausflug in die Geschichte zu unternehmen.

Friedrich der Große, genannt der alte Fritz, auf einem Reiterstandbild
Friedrich der Große, der Alte Fritz, war oft Gast auf Schloss Mirow.
Foto: © nmann77 – stock.adobe.com

Eine weitere berühmte Person der Weltgeschichte ist mit Mirow verbunden: Kronprinz Friedrich von Preußen, später Friedrich der Große oder auch der Alte Fritz genannt, war 1736 während seiner Rheinsberger Zeit zu Gast bei seinen Nachbarn. Die Schlossbewohner erschienen ihm einfach, ungebildet und urkomisch. Darum titulierte sie der Preuße als „Mirokesen“.

Schloss Mirow wurde sorgfältig restauriert
Auf Schloss Mirow verbrachte Herzogin Sophie-Charlotte zu Mecklenburg ihre Kindheit. Foto: Hartmut Nieswandt

Charlotte wuchs in Mirow gemeinsam mit fünf Geschwistern auf. Als 17-Jährige konnte sich gegen mehrere Heiratskandidatinnen auf dem englischen Hof durchsetzen. Sie fand sich schnell in ihre neue Rolle ein. Schon wenige Stunden nach ihrer Ankunft in London trat sie mit König George III. vor den Altar, und das Paar führte eine mustergültige Ehe. Knapp ein Jahr nach der Hochzeit brachte Queen Charlotte bereits einen Prinzen zur Welt. Innerhalb von 21 Jahren schenkte sie ihrem Ehemann fünfzehn Kinder.

Woflgang Amadeus Mozart musizierte mit britischen Queen Charlotte

Charlotte wird als intelligente Dame beschrieben, die selten ohne ein Buch in der Hand anzutreffen war. Sie umgab sich mit Künstlern und Wissenschaftlern, und sie nahm einige sogar in ihren Hofstaat auf. Charlotte und George III. traten oft als Förderer bedeutender Größen in Erscheinung. Als das Wunderkind Wolfgang Amadeus Mozart London besuchte, musizierte er mit der Queen.

Charlottes große Leidenschaft aber war die Botanik. Sie war an der Erweiterung der Botanischen Gärten von Kew beteiligt. Und: Die „Queen of Botany“ soll den Weihnachtsbaum, den sie aus ihrer Heimat kannte, in England eingeführt hat. Am 17. November 1818 starb sie im Kew Palace, sie war 57 Jahre lang englische Königin.

Schloss Mirow beherbergt eine kostbare Rokoko-Ausstellung.

Warum noch lohnt ein Besuch auf der Mirower Schlossinsel? Weil das Gebäude ein unersetzlicher Schatz für die Kulturgeschichte ist. Denn die Region des Herzogtums Mecklenburg-Strelitz erlitt im 20. Jahrhundert schwere Verluste. Das Neustrelitzer Residenzschloss wurde 1945 am Kriegsende zerstört – ebenso wie das Neubrandenburger Palais. Die Sommerresidenz Hohenzieritz verlor kriegsbedingt ihren fürstlichen Glanz. Das Untere Schloss in Mirow, in dem Charlotte geboren wurde, brannte im 19. Jahrhundert völlig aus.

Es beherbergte nach der Wende einige Jahre ein Gymnasium, inzwischen steht es aber seit Langem leer und verfällt. Außerdem gibt es in Mecklenburg-Vorpommern kein weiteres Schloss mit einer so kostbaren Rokokoausstattung. Ebenso lockt der schöne Park mit seinen barocken Alleen. Die Johanniterkirche, das Renaissancetorhaus und das barocke Kavalierhaus mit Welcome Center und Café laden zum Spazieren und Verweilen ein.  

 Hartmut Nieswandt

Weitere Informationen gibt es unter der Rufnummer 039883 269955, www.mv-schloesser.de, www.mirow.m-vp.de und www.mecklenburgische-seenplatte.de. Mirow ist von der A 19 von der Abfahrt Wittstock aus gut zu erreichen. Und wer in der wunderschönen Kleinseenplatte Urlaub macht – sie ist vor allem bei Paddlern gefragt, die die vielen kleinen Seen lieben -, kommt sowieso an der Mirower Schlossinsel vorbei.

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