Wohin unternimmt man eine Reise, wenn man sich für Burgen und Weinbau interessiert? Nach Mecklenburg. Ja, nicht besserwissend schmunzeln. Nach Mecklenburg. Malerisch eingerahmt von sieben Hügeln, liegt in der Nähe von Neubrandenburg das Städtchen Burg Stargard. Hier werden jährlich bis zu 2000 Flaschen Mecklenburger Landwein abgefüllt.

Burg Stargard ist die nördlichste Höhenburg Deutschlands

Auf dem Burgberg, 50 Meter über der Stadt, steht die mittelalterliche Burg Stargard als Zeuge einer bedeutungsvollen Vergangenheit. Sie ist die einzige erhaltene Höhenburg Norddeutschlands! Erbaut vor mehr als 750 Jahren, ist sie auch die nördlichste Höhenburg Deutschlands und das älteste weltliche Bauwerk im heutigen Mecklenburg-Vorpommern. Sie wurde einst als Hofburg der Markgrafen von Brandenburg errichtet.

Sie ist die Keimzelle der Stadt Burg Stargard, die in früheren Jahrhunderten eine weit größere Bedeutung hat als heute. Touristischer Magnet also ist die Burg. Mehrmals im Jahr gibt es Veranstaltungen, die das Mittelalter wieder aufleben lassen, so etwa das Burgfest oder die Mittelaltertage. Die Anlage, so wie sie sich heute präsentiert, besteht aus insgesamt elf Gebäuden der unterschiedlichsten Epochen.

Älteste deutsche Rebsorte wird im Ort der sieben Hügel angebaut

Hier befindet sich außerdem einer der nördlichsten Weinberge Deutschlands – eine mehr als 500-jährige Tradition wurde damit vor einigen Jahren wiederbelebt. Insgesamt stehen auf einer Fläche von etwa 0,2 Hektar rund 1200 Rebstöcke der Sorten Ortega, roter Regent, Müller-Thurgau, Phoenix, Solaris und Elbling. Letztere gehört zu den ältesten deutschen Rebsorten. Laut dem Privatwinzerverein von Burg Stargard werden jährlich 1000 bis 2000 Flaschen Mecklenburger Landwein (weiß und rot) verkauft.

Burg Stargard in der Mecklenburgischen Seenplatte: Die Höhenburg ist ein Dreiviertel-Jahrtausend alt und damit eines der ältesten weltlichen Bauwerke Meckpomms überhaupt. Foto: Mirko Hertrich
Burg Stargard in der Mecklenburgischen Seenplatte: Die Höhenburg ist ein Dreiviertel-Jahrtausend alt und damit eines der ältesten weltlichen Bauwerke Meckpomms überhaupt. Foto: Mirko Hertrich

Tja, wer hätte das gedacht: Mecklenburg ist Weinland! Auf dem Burggelände befindet sich außerdem ein Museum, ein Hotel sowie zahlreiche Ferienwohnungen, das Standesamt und ein historischer Wurz- und Krautgarten. Wer sich traut, kann seit 2001 auch auf der Burg heiraten. Eine Gewandschneiderei bietet dazu auf Wunsch die entsprechenden historischen Gewänder.

Letzte Eiszeit vor 10000 Jahren brachte wunderschöne Endmoräne

Burg Stargard befindet sich etwa acht Kilometer südlich der Kreisstadt Neubrandenburg im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte und hat rund 5400 Einwohner. Die Kleinstadt liegt im Tal der Linde, die in der Stadt im Mühlenteich aufgestaut wird. Zu den markanten Erhebungen in der Stadt oder in unmittelbarer Nachbarschaft zählen der 90 Meter hohe Burgberg, der 89 Meter hohe Galgenberg und der 86 Meter hohe Klüschenberg – dank der jüngsten Eiszeit, die vor etwa 10 000 Jahren endete und in die heutige Stargrder Gegend eine wunderschöne Endmoräne schob.

Ein bisschen Geschichte von diesem geschichtsträchtigen Ort: Als das Land Stargard durch Herzog Wartislaw von Pommern 1236 an die Markgrafen Johann I. und Otto III. von Brandenburg abgetreten war, begann Stargards steinerne Geschichte mit dem Aufbau der Burg durch die Markgrafen. Im Zuges dessen entstand neben dem wendischen Dorf Stargard sehr schnell eine deutsche Marktsiedlung am Bach „flumen Stargard“.

Diese bärtigen "Wächter" vor dem Tore der Burg Stargard haben eigentlich keinen Grund zu Meckern, tun es aber trotzdem auf sympathische Weise. Foto: Sirko Salka
Diese bärtigen „Wächter“ vor dem Tore der Burg Stargard haben eigentlich keinen Grund zu Meckern, tun es aber trotzdem auf sympathische Weise. Foto: Sirko Salka

Am 11. Januar 1259 verlieh Markgraf Otto III. dem Flecken Stargard das Stadtrecht. Wie das gesamte Land, so hatte auch Stargard schwer unter den Folgen des Dreißigjährigen Krieges zu leiden. Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts verlor die Burg einen Teil der Alten Residenz, den Nordturm, die Wehrgänge der Hauptburg und die Wehrmauer der Vorburg mit vier Wehrtürmen und dem Jungferntor durch Abriss.

Letzter großer Hexenprozess im Krummen Haus auf Burg Stargard

Im Krummen Haus fand 1726 der letzte große Mecklenburger Hexenprozess statt. Von 1745 bis 1747 werden in der Hauptburg Münzen geprägt. Brandstiftung und Blitzschlag vernichten bis 1919 das Krumme Haus in der Hauptburg, drei Scheunen und zwei Stallgebäude.

Mit der Inbetriebnahme der „Nordbahn“ hatte Stargard 1877 einen Bahnanschluss bekommen, der entscheidend zur Entwicklung der Stadt beitrug. Nicht nur die Ansiedlung kleinerer Industriebetriebe kam in Gang sondern auch der Tourismus. Die Stadt mit ihrer reizvollen Umgebung lockte viele Natursuchende und Kunstmaler vor allem aus dem nahen Berlin an und wurde zu einer beliebten Sommerfrische. Seit 1922 diente die Burg für zehn Familien als Wohnung und Wirtschaftshof.

Das sommerliche Burgfest auf Burg Stargard ist immer ein besonderes Spektakel. Vom Burgturm bietet sich dann ein schöner Blick über die Zelte und Stände. Foto: Mirko Hertrich
Das sommerliche Burgfest auf Burg Stargard ist immer ein besonderes Spektakel. Vom Burgturm bietet sich dann ein schöner Blick über die Zelte und Stände. Foto: Mirko Hertrich

1946 entstand hier eine Landesjugendschule, die 1963 zur Jugendherberge umfunktioniert wurde. Im Jahr 1990 zog die Jugendherberge in die Stadt um. Nun begann die umfassende bauhistorische Untersuchung und Sanierung der Burganlage. Nach schwieriger langer Sanierung wurde 1994 der Burgturm wieder als Aussichtsturm frei gegeben. Der Burggasthof „Zur Alten Münze“ und das Museum öffneten 1999 ihre Türen. Seit dem Jahr 2000 gibt es einen, über die Region hinaus bekannten, historischen Wurz- und Krautgarten.

Naherholungsgebiet vor den Toren von Neubrandenburg

Im Gegensatz zu vielen anderen Städten der Region verlor Burg Stargard am Ende des Zweiten Weltkrieges nicht ihren Altstadtkern, „nur“ das Rathaus und fünf weitere Gebäude brannten nieder. Bis 1952 gaben Burg und Stadt ihren Namen für das Land, das Herzogtum und den Kreis. Mit der Bildung der drei Nordbezirke übernahm Neubrandenburg die führende Rolle in der Region. Burg Stargard entwickelte sich mit einer bescheidenen Industrie und Landwirtschaft zum Naherholungsgebiet für die rasend wachsende Bezirksstadt Neubrandenburg.

Die Auffahrt zur Burg im Herbst. Foto: Sirko Salka
Die Auffahrt zur Burg im Herbst. Foto: Sirko Salka

Burg Stargard hat eine Sommerrodelbahn

Seit 1990 entwickelt sich das Städtchen zu einem beliebten Wohnort und setzt zunehmend auf die touristische Vermarktung ihrer schönen landschaftlichen Lage und natürlich der auf einem Hügel in der Stadt gelegenen Backsteinburg. Übrigens – das wird vor allem die Kinder freuen: Burg Stargard hat eine sehr schöne Sommerrodelbahn.

Öffnungszeiten (bitte vor Reiseantritt noch einmal nachfragen): März bis Oktober täglich von 10 bis 17 Uhr, November bis Februar geschlossen. Von Anfang März bis Ende Oktober, jeweils sonnabends, sonntags und an Feiertagen beginnen um 14.30 Uhr in der Vorburg Burgführungen. Gern werden auch persönliche Führungen organisiert, bitte in der Touristinformation Burg Stargard, Rufnummer 039603 25355, oder per E-Mail ti@burg-stargard.de nachfragen.

So erreicht man Burg Stargard: Mit dem Pkw fährt man von der Autobahn A 20, Abfahrt Neubrandenburg (32) auf die B 197 über Neubrandenburg auf die B 96, Richtung Neustrelitz. Hinter Neubrandenburg links Richtung Burg Stargard abbiegen. Parkplätze befinden sich direkt vor der Burg. Der Ort hat einen Bahnhof, der mit den Regionalverkehr erreichbar ist. Vom Bahnhof aus ist der Fußweg zur Burg ausgeschildert, man geht etwa 15 Minuten. Hartmut Nieswandt

Weitere Informationen: Amt Stargarder Land, Mühlenstraße 30, 17094 Burg Stargard, Rufnummer 039603 2530, E-Mail: amt@stargarder-land.de

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