Bär im Bärenwald Stuer

Bärenwald Müritz ist ein Paradies für Braunbären

An die 20 Braunbären finden im Bärenwald Müritz in mecklenburgischen Örtchen Stuer einen einzigartigen Lebensraum, wo sie ihr natürliches Verhalten wiederentdecken können. Besucher erleben, wie die Tiere ihre Instinkte erstmals ausleben. Doch das ist längst nicht alles.

Eine Rike flüchtet mit ihren beiden Kitzen ins Dickicht, hoch am Himmel trompetet ein Kranich über die weite Landschaft, ein Fischadler stürzt sich auf der Jagd in die Müritz: in der Stille und Weite der Mecklenburgischen Seenplatte kann man wunderbar Tiere beobachten. Wölfe sind zurückgekehrt in die Nossentiner Heide nordöstlich von der sehenswerten Inselstadt Malchow. Bären gehen im Walddickicht am Seeufer auf Nahrungssuche.

Bären? Ja, Bären. Es gibt sie wieder in Mecklenburg-Vorpommern. Aber sie durchstreifen nicht die freie Natur, sie leben im „Bärenwald Müritz„. Das ist „Westeuropas größtes Bärenschutzzentrum“. Dort können Besucher die Petze beobachten – wenn sie den Bärenwald überhaupt finden.

Plauer See treffender als Müritz

Denn der liegt nicht an der Müritz, sondern gut 20 Kilometer weiter westlich an der Südspitze vom Plauer See. Und natürlich befindet sich das Bärenwald Müritz nicht in Westeuropa sondern in Mitteleuropa. Trotz dieses geographischen Durcheinanders ist es für den Bärenfreund einfach, den richtigen Teil Europas und damit den Bärenwald zu finden. Von Berlin oder Hamburg aus nach Mecklenburg-Vorpommern kommend, verlässt er mit seinem Auto an der Abfahrt Röbel/Müritz die A 19 und fährt dann über die B 198 weiter in Richting Plau. Große Schilder weisen ihn weiter in den Bärenwald Müritz.

Bevor Luna 2017 ins Bärenschutzzentrum kam, lebte sie jahrelang in einem sehr kleinen Käfig im Aulona Vergnügungspark in Albanien. Foto: Bear Sanctuary Müritz

Waldboden statt Betongehege

Den meisten der heute knapp 20 Braunbären im Bärenwald geht es dort zum ersten Mal in ihrem Leben gut. Die ersten beiden Bären im Bärenwald waren die Geschwister Lothar und Sindi. Sie kamen im Oktober 2006 aus dem Schwarzwaldpark in Löffingen. Drei weitere Braunbären aus dem gleichen Park – Maya und ihre Söhne Ben und Felix – wurden 2007 umgesiedelt. Bis 2010 stieg die Zahl der Bären auf zehn an. Ende Mai 2011 kam Zirkusbär Bruno aus dem 2010 geschlossenen Tierpark Lübeck dazu.

Die Bärinnen Kasia und Basia wurden 2011 in den Bärenwald gebracht. Man hielt sie vorher vollkommen artwidrig in einem Zoo in Leszno (Polen) auf einer Fläche von 60 Quadratmetern. Otto kam 2006 nach Stuer. Zuvor hatte er mit der Bärin Mascha viele Jahre in einem nur 150 Quadratmeter kleinen Betongehege mit Gitterstäben leben müssen. Bärin Dushi wurde aus einem Zoo in Albanien gerettet… So lesen sich die Schicksale der Bärenald-Bewohner.

Nahrungssuche wie in freier Wildbahn

Einige Bären haben in den langen Jahren ihrer Gefangenschaft schwere Verhaltensstörungen ausgebildet, die sie unter den neuen Lebensbedingungen im Bärenwald erst nach und nach ablegen können. Ihr Lebensraum wird so bereichert, dass ihr natürliches Verhalten wieder zu Tage gefördert wird. Für die Tiere werden Bedingungen geschaffen, die sich an ihrem Leben in freier Wildbahn orientieren. So wird zum Beispiel die Nahrung versteckt. Also ist der Bär einen Großteil seiner Zeit mit der Nahrungssuche beschäftigt – wie in freier Wildbahn.

Erfahrene Tierpfleger und Wildtierärzte betreuen die Bären. „Vier Pfoten“ arbeitet eng mit Wissenschaftlern und Universitäten zusammen. Obwohl Braunbären in freier Wildbahn Einzelgänger sind, leben sie im Bärenwald Müritz in kleinen Gruppen zusammen. Dies wirkt sich positiv auf das Verhalten der Tiere aus, durch den Sozialkontakt und die Beschäftigung miteinander nehmen Verhaltensstörungen schneller ab, heißt es aus dem Bärenwald.

Pro Bär einen halben Hektar

Die Anlage umfasst 16 Hektar. Jeder Bär hat etwa 5000 Quadratmeter, das ist ein halber Hektar, zur Verfügung. Die Landschaft an der Südspitze des Plauer Sees ist gut für das Tierschutzprojekt geeignet: Mischwald, Wiesenflächen, ein natürlicher Bachlauf und große Teiche sind für die Bären frei zugänglich.

Besucher können sich an Stationen im Gelände über das Leben der Tiere informieren. Betreute Führungen und Vorträge machen auf das Thema der privaten Wildtierhaltung in Deutschland und die damit verbundene Tierschutzarbeit von „Vier Pfoten“ aufmerksam. Jährlich kommen etwa 90 000 Besucher in den Bärenwald.

Hunde sind willkommen, müssen natürlich an der Leine geführt werden. Für sie gibt es ausreichend Trinkstellen, gern kann sich Hund vor der Waldwanderung auf dem Hundespielplatz austoben. Hartmut Nieswandt

Adresse: Am Bärenwald 1, 17209 Stuer. Weitere Informationen unter Rufnummer 039924 79118 und www.baerenwald-mueritz.de. Öffnungszeiten – 15. März bis 31. Oktober täglich von 9 bis 18 Uhr; 1. November bis 14. März täglich von 10 bis 16 Uhr. Der letzte Einlass erfolgt eine Stunde vor der Schließzeit.

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