Modemuseum Schloss Meyenburg

Modemuseum Meyenburg zeigt viel Mode aus der DDR

Das Modemuseum Meyenburg im nördlichsten Zipfel von Brandenburg stellt Damenmode von 1900 bis 1970 aus. Mode-Insiderin Josefine Edle von Krepl hält mit ihrer umfangreichen Sammlung auch die Mode aus der DDR lebendig.

DDR und Mode – das waren zwei Begriffe, die meist nicht zusammenpassten. Wenn als neuer Trend aus Paris, London und Mailand herüberwehte, dass jetzt – und zwar sofort – schmal geschnittene Schlauchhosen out und weite Schlaghosen in sind, hat das die DDR-Konfektionsindustrie vollkommen überfordert.

Im Schloss Meyenburg gibt es heute zwei Museen, eins hat sich ganz der Mode verschrieben.  Fotos: Archiv Nordkurier

Weil nämlich die kapitalistischen Modemacher überhaupt nicht interessierte, dass die DDR-Textilherstellung im Rhythmus des Fünfjahrplans getaktet war und es darum beinahe unmöglich war, neue Trends schon nach ein oder zwei Jahren zu produzieren.

Eine Ikone der DDR-Mode

Das heißt aber nicht, dass es in der DDR keine Mode gab. Im Modeinstitut und in den Zeitschriftenredaktionen etwa von „Sybille“ oder „Pramo“ wusste man genau, wie die Modeuhr tickte. Das hatte aber meist nur Auswirkungen auf die Modekette „Exqusit“, deren Angebote für viele Leute allerdings zu teuer waren. Und dann gab es noch Mode-Insider, die es schafften, in Nischen kleine Modewelten aufzubauen.

Josefine Edle von Krepl sammelte mehr als 50 Jahre lang die schönste Konfektion.

Eine von diesen Insidern war Josefine Edle von Krepl. Sie wurde in Fürstenwalde bei Berlin geboren und begann bereits mit 13 Jahren, Mode zu sammeln. Angefangen hat alles mit einem schwarzen Satinkleid, das sie von ihrer Großmutter erhielt. Es folgten das raffiniert geraffte Brautkleid der Mutter. Josefine Edle von Krepl trug mehr als 50 Jahre lang schöne Stücke zusammen: Diese Sammlung mit mehreren tausend Objekten von kunstvoll gefertigten und getragenen Kleidungsstücken war die Grundlage für die Gestaltung des Modemuseums im Schloss Meyenburg.

Im Modemuseum Meyenburg ist die Eleganz der Zwanziger Jahre zu besichtigen.

Zu jedem Kleid gehört eine Geschichte und die wurde mitgesammelt, ebenso wie die passenden Accessoires und Möbelstücke jener Jahrzehnte. Darum ist diese Sammlung so faszinierend. Denn Josefine Edle von Krepl ist die absolute Frau vom Fach. In den 1960er Jahren studierte sie Modedesign und Journalismus.

DDR-Frauenzeitschrift „Für Dich“ und Mode-Label „Josefine“

In Berlin arbeitete sie 13 Jahre lang bei der Frauenzeitschrift „Für Dich“ und eröffnete 1980 in Berlin-Friedrichshain die erste private Modeboutique der DDR mit dem Label „Josefine“. Und dort kamen keine „Schlauchhosen“ auf die Stange, wenn Schlaghosen der neueste Renner waren.

Meyenburg liegt im nördlichsten Zipfel von Brandenburg, unmittelbar an der Grenze zur Mecklenburgischen Seenplatte. Diese nördliche Ecke ist Teil der Prignitz, einer sehr kulturreichen Region Brandenburgs. Die ältesten Teile des Schlossgebäudes stammen aus dem Mittelalter und beherbergen heute das Schlossmuseum.

Dort erfahren die Besucher mehr über die Schlossgeschichte und das Leben der Adelsfamilie von Rohr, die wechselvollen Ereignisse der Stadt Meyenburg und der Prignitz werden ebenso erzählt. Ein Englischer Landschaftspark umgibt das Schlossgelände. Nach der Wende begann die Stadt Meyenburg mit Unterstützung des Landes Brandenburg, die Schlossanlage samt Park zu sanieren.

Modemuseum Meyenburg zeigt Damenmode

2006 wurde das Schloss als kulturelles Zentrum mit zwei Museen und einer Bibliothek eröffnet. Das zweite also ist das Modemuseum. Es präsentiert die Geschichte der Damenmode von 1900 bis in die 1970er Jahre, Teile der Sammlung von Josefine Edle von Krepl erhielten darin einen dauerhaften Standort. Zwischen 2006 und 2015 wurde das Museum von der Sammlerin und Begründerin selbst geführt und bewirtschaftet.

Dann gründete sich der Trägerverein Modemuseum Schloss Meyenburg e. V., um den Museumsbetrieb dauerhaft zu sichern. Viele Besucher konnte Josefine Edle von Krepl in ihrem Museum begrüßen, bevor sie 2015 in den verdienten Ruhestand ging.

Museumscafé mit besonderem Charme

Noch ein Tipp: Das Museumscafé des Modemuseums hat einen besonderen Charme: Der Kaffee wird stilecht in Sammeltassen zum hausgebackenen Kuchen serviert. Und im Museumsshop können die  Gäste Accessoires und Souvenirs aus Meyenburg erwerben. Außerdem gibt es modernen Modeschmuck und wechselnde Verkaufsausstellungen.

So kommt man nach Meyenburg: Von Berlin oder Hamburg über die A 24, Abfahrt Meyenburg, weiter auf der B 103 Richtung Meyenburg/Plau am See. Von Rostock aus geht es über die A 19 in Richtung Wittstock (Dosse), Abfahrt Röbel und anschließend die Straße über Darze und Stuer nach Ganzlin. Auf der B 103 Richtung Meyenburg/Pritzwalk erreicht man Meyenburg. Hartmut Nieswandt

Weitere Informationen: Modemuseum Schloss Meyenburg, Schloss 1, 16945 Meyenburg,  E-Mail: kontakt@modemuseum-schloss-meyenburg.de, Rufnummer 033968 508961. www.modemuseum-schloss-meyenburg.de, www.reiseland-brandenburg.de, www.dieprignitz.de, www.museen-brandenburg.de

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