Malchower Film-Palast DDR

In Malchow lebt die DDR fort

Der altehrwürdige Film-Palast der Insel-Stadt Malchow im Herzen der Mecklenburgischen Seenplatte birgt nicht nur ein Geheimnis. Hinter der DDR-typischen grauen Kratzputz-Fassade startet eine Reise zurück in die Deutsche Demokratische Republik.

Ein DDR-Museum in einem Palast? Ein Widerspruch an sich. Aber nicht in der Inselstadt Malchow mitten in der Mecklenburgischen Seenplatte. In dieser kleinen Stadt mit eigenem Autobahn-Anschluss an der A 19 wurde das „Museum zur DDR-Alltagsgeschichte“ vor 20 Jahren im „Film-Palast“ eingerichtet. Ein Glücksfall für den, der eine kleine Reise in die DDR-Geschichte unternehmen möchte. 1957, als es das Bundesland MV noch nicht gab und Malchow im Kreis Waren, Bezirk Neubrandenburg lag, wurde der Film-Palast gebaut. Und es war wirklich ein Palast. Mit der Aufführung des sowjetischen Filmwerkes „Der Prolog“ wurde der Palast am 14. Dezember 1957 eingeweiht. Als Ehrengast dabei war der beliebte Malchower Maler und Grafiker Sieghard Dittner – er hatte das Wandbild im Innenraum gemalt, das ist heute noch zu sehen.

Dieses Kino ist ein Glücksfall

Glücksfall für den Besucher: Das Kino ist bis heute fast original erhalten. Im inzwischen ein wenig morbiden Charme kann man sich die Sammlung aus DDR-Zeiten, die perfekt zur baulichen Hülle passt, ansehen. Bevor man eintritt, sollte man sich ein wenig Zeit nehmen und den Palast in seinem DDR-typischen grauen Kratzputz von außen betrachten. Er diente nicht nur als Filmtheater. Es gab eine große Bühne mit genügend Platz für die Schauspieler des Landestheaters Parchim und des Friedrich-Wolf-Theaters Neustrelitz. Manch ein Bewohner der Stadt Malchow und der umliegenden Dörfer hatte hier seine ersten Theater-Erlebnisse… Und es fanden große Feste, Jugendweihen, Trauungen und die DDR-weit bekannten Malchower Farbfototage statt.

Übliches Schicksal nach der Wende?

Die Nachwende-Geschichte des Film-Palastes gleicht dem vieler ähnlicher Häuser der nun ehemaligen DDR und gleicht ihnen doch nicht. 1992 musste er schließen, die Malchower hatten jetzt anderes vor als ins Kino zu gehen. 1993 wurde es erst an eine Hamburger Kino-Gesellschaft, dann an einen holländischen Investor verkauft. Das übliche Schicksal sollte seinen Lauf nehmen – der Investor wollte das Gebäude in vorzüglicher Innenstadtlage abreißen und durch ein Einkaufszentrum ersetzen. Aber: es gab unerwartet starke Proteste und Unterschriftensammlungen, der Investeor kippte sein Vorhaben. Vier Jahre später übernahm die Stadt den Film-Palast.

Sofa, Couch, Lampe, Tisch - Wohndesign a la DDR.
DDR-Wohndesign – so sah es in vielen guten Stuben im Osten Deutschlands aus.

1995 wurde in Waren (Müritz), damals noch Kreisstadt, die Ausstellung „Deutsche Dekorative Restbestände“ gezeigt. Wohin mit ihr nach ihrer Beendigung? Es wurde die Idee geboren, sie im Film-Palast Malchow  unterzubringen. Die „Restbestände“ wurde 1999 also zum Grundstein des „Museum zur DDR-Alltagsgeschichte“, das am 7. Oktober 1999, auf den Tag genau 50 Jahre nach Gründung der DDR, eröffnet wurde – als erste Einrichtung dieser Art in Norddeutschland.

Who is who der DDR-Produkte

Jetzt, nachdem er die besondere Geschichte des Hauses kennt, kann sich der Besucher Zeit nehmen für die eigentliche Ausstellung: Erinnerungsstücke zu den Themen Kino, Hochzeit, Arbeitsleben, Mode, Schulanfang, Jugendweihe, Urlaub. Und schmunzeln ist erlaubt beim Betrachten der Fernseh- und Rundfunktechnik von damals. Gern beeindruckt darf der Gast sein von der bunten Vielfalt des Spielzeugs, hätte man vielleicht nicht gedacht, wo doch alles knapp war im Osten damals vor gut 30 Jahren… Die gegenwärtige Schau heißt „Von A wie Ata bis Z wie Zekiwa“, hinter jedem Buchstaben verbirgt sich ein DDR-Produkt (Ata war ein Scheuermittel, Zekiwa hieß die größte europäische Kinderwagenfabrik).

Das Museum in 17213 Malchow, Kirchenstraße 25, ist von April bis Oktober montags bis sonntags jeweils von 10 bis 17 Uhr geöffnet; von November bis März  montags bis freitags jeweils von 10 bis 16 Uhr, sonnabends und sonntags von13 bis 16 Uhr. Zu Führungen kann man sich unter der Rufnummer 039932 18000 anmelden. Dort gibt es auch weitere Informationen. Ein Parkplatz befindet sich gleich hinter dem Museum, mit ein bisschen Glück findet man dort einen Stellplatz. Sonst gibt es Platz an der Ebertstraße, von dort sind es fünf bis zehn Minuten zu gehen.

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