Das Gesamtensemble der Schleifmühle am Faulen See. Foto: Schleifmühle

In der Schleifmühle Schwerin wurde am Schloss geschleift

Einst residierten im Schweriner Schloss die mecklenburgischen Herzöge. Heute ist es die gute Stube des Landtags. In der Schleifmühle Schwerin wurden seinerzeit Stein für Stein die romantischen Fassaden und Steinplatten des Märchenschlosses erschaffen.

Der Prototyp des wunderschönen, zauberhaften und romantischen Schlosses steht mitten in dieser Stadt. Und damit ist die Marschrichtung für Besucher von Schwerin, der Hauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern, bereits vorgegeben. Errichtet für mecklenburgischen Herzöge und Großherzöge und zu DDR-Zeiten für künftige Kindergärtnerinnen, die hier ausgebildet wurden, ist es heute die gute Stube des Landtages. Unbedingt ansehen!

In der Schleifmühle Schwerin wurden die Steine für das Schweriner Schloss bearbeitet. Foto: © powell83 – Fotolia.com.jpg

Das Schloss in seiner Pracht würde es gar nicht geben, wenn nicht einige hundert Meter weiter, zwischen Schweriner See und Faulem See, ein ganz und gar romantisches Haus stehen würde: die Schleifmühle. In der Schweriner Schleifmühle wurden mit Hilfe der Wasserkraft Steinplatten und mächtige Findlinge in dekorative Steinplatten, Sarkophage, Denkmalsockel und Einfassungen verwandelt.

Zu DDR-Zeiten entstand in der Schleifmühle Schwerin ein Museum

Und all das wurde unbedingt gebraucht beim Aufbau des Schlosses. Wie das alles funktionierte mit der Schleiferei,  kann man sich heute noch ansehen. Denn zum Glück wurde bereits zu DDR-Zeiten die alte Mühle in Schuss gebracht – und ein Museum darin untergebracht.

Dieses Wasserrad „entnahm“ dem Fließ zwischen Faulem und Schweriner See die notwendige Energie auch zum Schneiden von Granit. Fotos: Schleifmühle

Die Ausstellung in der Schleifmühle berichtet von der Entstehung des Ortes als Teil des Residenzensembles und über den Alltag der Steinschleifer. Schon seit mehr als 300 Jahren dreht sich das Rad der Wassermühle. Von 1749 bis 1857 schnitten, schliffen und polierten hier geschickte Hände Steine für die Fürsten Mecklenburg-Schwerins. Neben den bereits genannten schwergewichtigen Produkten entstanden vorwiegend in Handarbeit aus Edelsteinen und Mineralien kleine Schmuckstücke.

Die Schleifmühle befindet sich am Abfluss des Faulen Sees im Stadtteil Ostorf gleich neben dem Schlossgarten des Schweriner Schlosses. Das Wasserrad nutzt das 50 Zentimeter betragende Gefälle zwischen den Wasserspiegelhöhen des Faulen und des Schweriner Sees. Zum Ensemble gehört auch der ehemalige Wohnsitz des Steinschleifers, das Schleifmüllerhaus.

Die Schleifmühle Schwerin half beim Umbau des Schweriner Schlosses

Die Mühle entstand bereits um 1705 als Lohmühle und wurde 1718 zur Graupenmühle umgebaut. 1747 erfolgte der Bau eines neuen Mühlengebäudes. Man erweiterte die Mühlentechnik und richtete eine kleine Steinschleiferwerkstatt ein. Der vollständige Umbau zur Schleifmühle erfolgte 1755. Nach dem Tod des Schleifmühleninspektors Niedt übernahm der bis heute bekannte Hofbaumeister Georg Adolph Demmler die technische Leitung der Anlage 1842.

Auch der große Sockel unter dem Denkmal auf dem zentralen Schweriner Platz wurde in der Schleifmühle Schwerin geschnitten.
Zur Fertigung kamen in der Schleifmühle auch Sarkophage wie dieser, der im Schweriner Dom steht.

In den Jahren 1845 bis 1857 leistete die Mühle viel Arbeit beim Umbau des Schweriner Schlosses. 1862 wurde eine Wollspinnerei eingerichtet. Wegen Baufälligkeit ruhte die Produktion seit 1904. In den folgenden Jahren diente das Gebäude als Lager, Wohnung und Trafostation.

Zu DDR-Zeiten war die Mühle vor der Wiederherstellung auch beliebter Kinderspielplatz.

Noch zu DDR-Zeiten erfolgte zwischen 1983 und 1985 die Rekonstruktion des Gebäudes und die Neuerrichtung der historischen Steinbearbeitungstechnik. Die Wassermühle war fortan eine zu besichtigende Schauanlage und unterstand dem Historischen Museum Schwerin. 1996 ging das Museum von der Stadt in die Trägerschaft des Stadtgeschichts- und -museumsvereins Schwerin e.V. über.

Ausstellung hält Geschichte der Schleifmühle Schwerin lebendig

Im Jahr 2000 erhielt die Mühle ein neues Wasserrad mit einem Durchmesser von etwa 4,5 Metern. Im Außengelände wurde eine Steingattersäge aus der Zeit um 1920 errichtet, die die technische Entwicklung dieser Technik dokumentiert.

Das Museum zeigt von April bis Anfang November historische Steinbearbeitungstechniken. Die Technik ist übrigens noch funktionstüchtig. Zudem existiert eine Ausstellung zur Geschichte der Schleifmühle und zu Steinprodukten. Im ehemaligen Schleifmüllerhaus werden, meist zu besonderen Anlässen wie dem Deutschen Mühlentag, Fotoausstellungen gezeigt.

In der Schleifmühle Schwerin läuten nun die Hochzeitsglocken

Die im März 2017 eröffnete neue ständige Ausstellung stellt die kulturhistorische Bedeutung der Wassermühle und der Schleifmühle anschaulich dar. Die Ausstellung in der Schleifmühle zeigt auch die Arbeits- und Lebensbedingungen der Schleifmüller und Tagelöhner.

Übrigens, man kann in der Schleifmühle auch heiraten. Hier können Paare ihren großen Tag als die „etwas andere Hochzeit“ erleben. Maximal 20 Gäste können zur Trauung direkt in die Schleifmühle eingeladen werden. Hochzeitsgesellschaften können mit 30 bis 50 Personen im Schleifmüllerhaus und im Freigelände feiern. Hartmut Nieswand

Weitere Informationen: Man erreicht Schwerin gut per Bahn von Hamburg oder Berlin aus und mit dem Fahrzeug über die Autobahnen A 20 und A 24. Die Schleifmühle ist vom Stadtzentrum zu Fuß in rund 30 Minuten zu erreichen. Adresse: Stadtgeschichts- und Museumsverein Schwerin e. V., Schleifmühlenweg 1,19061 Schwerin, Rufnummer 0385 562751. www.schleifmuehle-schwerin.de, www.mecklenburg-schwerin.de, www.schwerin.de.

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