Die Hansestadt Greifswald und ihre "Dicke Marie" vom Rathaus aus gesehen. Foto: Archiv Nordkurier

Hansestadt Greifswald: Die Dicke Marie, die Schweden und die Platte

Warum lieben die Südschweden die dicke Marie so sehr? Oder schmelzen dahin, wenn sie an Caspar David Friedrich nur denken? Hinter diesen beiden Fragen stecken mindestens schon drei Gründe, warum man die Hansestadt Greifswald unbedingt besuchen sollte.

Ja, drei gute Gründe für einen Besuch in Greifswald, der vorpommerschen Universitätsstadt mit gerade mal 50 000 Einwohnern: 1. Man nennt sie auch Südschweden, weil ihre Stadt und die Umgebung 184 Jahre zu Schweden gehörten. 2. Ganz einfach: Die Dicke Marie heißt dicke Marie, weil sie so dick ist. Es handelt sich um die älteste der drei großen Greifswalder Kirchen, sie hat einen mächtig dicken Glockenturm. Und 3. ist Caspar einer der Vornamen von Caspar David Friedrich, einer der berühmtesten Söhne der Stadt. Beim Anblick seiner romantischen Bilder – nicht nur der Greifswalder Silhouette oder der Rügener Kreidefelsen – wird auch dem härtesten Mann warm ums Herz.

Im Volksmund wird die St. Marienkirche „Dicke Marie“ genannt

Die Universitäts- und Hansestadt Greifswald besitzt eine große Zahl von Denkmalen und schönen Ecken. Zum Beispiel den Dom mit seinem 100 Meter hohen Turm. Überhaupt nicht zu übersehen ist an der anderen Seite der Altstadt ob ihrer Korpulenz die Dicke Marie, also die Marienkirche in der Brüggstraße 35. Dorthin sollte man unbedingt seine Schritte lenken. Sie ist ein klassisches Beispiel Norddeutscher Backsteingotik.

Der wuchtige Glockenturm von St. Marien führte zum liebevoll gemeinten Spitznamen "Dicke Marie". Foto: Archiv Nordkurier
Der wuchtige Glockenturm von St. Marien führte zum liebevoll gemeinten Spitznamen „Dicke Marie“. Foto: Archiv Nordkurier

Ihre Errichtung wurde Mitte des 13. Jahrhunderts begonnen, die Fertigstellung erfolgte aber erst 450 Jahre später. Beeindruckend an der dreischiffigen, kreuzrippengewölbten Hallenkirche ist die enorme Raumwirkung und die prächtige, intarsienverzierte Renaissancekanzel von 1587. In der Kirche befindet sich ein Gedenkstein für den früheren Bürgermeister und Universitätsgründer Heinrich Rubenow.

Auseinandersetzungen zwischen den Schweden und Preußen

Not und Elend brachte der Dreißigjährige Krieg (1618 – 1648) auch Greifswald, zum Beispiel durch die Besetzung durch Wallenstein. Im Juni 1631 standen die Truppen des Schwedenkönigs Gustav Adolf II. vor der Stadt und nahmen sie nach kurzem Kampf ein. Der nachfolgende Zeitabschnitt, die so genannte Schwedenzeit, dauerte 184 Jahre. Die Schweden waren bis zum Wiener Kongress 1815 Herren über Vorpommern und damit auch für die Geschicke Greifswalds verantwortlich. Allerdings ließen sie die pommerschen Städte recht selbstständig gewähren. Greifswald wurde aufgewertet, weil die Stadt Sitz der obersten Gerichts- und Kirchenbehörden für Schwedisch-Pommern wurde. Mehrfach versuchte Brandenburg, zu dem Pommern gehörte, das verlorene Gebiet zurückzuerobern.

Dieses Gemälde von 1552 zeigt die reiche Hansestadt Greifswald. Abbildung: Archiv Nordkurier
Dieses Gemälde von 1552 zeigt die reiche Hansestadt Greifswald. Abbildung: Archiv Nordkurier

Bei den Gefechten wurde die Innenstadt samt Marienkirche schwer beschädigt. Im Gemäuer der Kirche stecken heute noch etliche Kanonenkugeln der Brandenburger. Die Kriege des 18. Jahrhunderts belasteten die Stadt stark. Im Siebenjährigen Krieg explodierte 1758 ein in der Stadt von den Preußen angelegtes Pulvermagazin. Dadurch wurden große Teile der Stadt zerstört. In guter Erinnerung sind die Bemühungen der Schweden um die Greifswalder Universität geblieben. Nach deren Niedergang im Dreißigjährigen Krieges kurbelten sie den Lehrbetrieb wieder an und ließen 1747 das heute noch bestehende Universitätshauptgebäude errichten.

Bedeutender deutscher Maler ist ein Sohn Greifswalds

Am berühmtesten Sohn der Stadt kommt kein Besucher vorbei. Der große Maler der Romantik, Caspar David Friedrich, hat seine Heimat in vielen Werken verewigt. Das Aquarell des Marktplatzes von 1818 sowie einige seiner Landschaftsbilder hängen im Pommerschen Landesmuseum in der Rakower Straße 9, das in einem ehemaligen Franziskanerkloster untergebracht ist. Wie auf Friedrichs Bild reihen sich auch in natura Bürger- und Kaufmannshäuser rund um den Marktplatz aneinander. Neben dem rot gestrichenen Rathaus – hier befindet sich heute die Touristen-Information – fallen besonders die Giebelhäuser Markt 11 und Markt 13 auf, bedeutende Repräsentanten der norddeutschen Backsteingotik. Im Caspar-David-Friedrich-Zentrum in seinem Geburtshaus in der Langen Straße 57 sind Teile der Seifensiederei, die seine Familie betrieb, erhalten.

"Hafen von Greifswald" von Caspar David Friedrich. Abbildung: Archiv Nordkurier
„Hafen von Greifswald“ von Caspar David Friedrich. Abbildung: Archiv Nordkurier

Und jetzt noch ein außergewöhnlicher Grund für den Ausflug nach Greifswald. Die Stadt blieb im Zweiten Weltkrieg von Zerstörung verschont. Weil der Stadtkommandant Petershagen, später in der DDR sehr verehrt, die Stadt kampflos an die Rote Armee übergab. Aber: Was Petershagen verhinderte, erfolgte in den folgenden Jahrzehnten schleichend durch fehlende Restaurierungen und Instandhaltungen, zwischen 1945 und 1990 ging etwa die Hälfte der historischen Bausubstanz verloren. Ende der 1960er-Jahre begann die Umgestaltung der Innenstadt nach DDR-Muster in „angepasster Plattenbauweise“. Dabei wurden einige denkmalgeschützte Objekte restauriert, darunter die Stadtbibliothek und das Kapitänshaus. Aber ein Großteil der jahrzehntelang vernachlässigten historischen Gebäude fiel der Abrissbirne zum Opfer.

Hier ist gut zu erkennen, dass die Plattenbauten einen großen Teil der Altstadt einnehmen. Foto: Archiv Nordkurier
Hier ist gut zu erkennen, dass die Plattenbauten einen großen Teil der Altstadt einnehmen. Foto: Archiv Nordkurier

DDR-Plattenbau eroberte in 1970er Jahren Hansestadt Greifswald

So wurde neben Bernau und Gotha die Hansestadt Greifswald Anfang der 1970er-Jahre zum städtebaulichen Experiment. Zum Glück war es zum ersten Mal in der DDR erklärtes Ziel, sich an die gewachsene Struktur der Altstadt mit ihren Bürgerhäusern anzupassen und die neuen Wohn- und Gesellschaftsbauten in das historische Raumgefüge einzugliedern. Der mittelalterliche Grundriss der Greifswalder Altstadt beruht auf dem klassischen Rasterprinzip. Das begünstigte die Anwendung der Plattenbauweise. Für das Bauen in der Innenstadt wurde die Rostocker Variante der WBS 70 AR (Wohnungsbauserie 70 Anpassung Rostock) modifiziert.

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Für die Neugestaltung orientierten sich die Architekten an Höhe und Größe der Gründerzeitbauten. Die Beziehungen der Straßen und Plätze zu den großen gotischen Stadtkirchen wie der „Dicken Marie“ blieben erhalten. Die erhaltenen Baudenkmale wurden in die Neubaustrukturen eingebunden. Ursprünglich war vorgesehen, die Greifswalder Altstadt vollständig abzureißen und das mittelalterliche Straßennetz durch breite Boulevards zu ersetzen…

Im Rathaus (rechts) befindet sich heute die Touristen-Information. In der Bildmitte ist der Dom zu sehen. Foto: Archiv Nordkurier
Im Rathaus (rechts) befindet sich heute die Touristen-Information. In der Bildmitte ist der Dom zu sehen. Foto: Archiv Nordkurier

Die Hansestadt Greifswald ist sowohl aus Richtung Berlin als auch von Rostock aus gut mit der Bahn zu erreichen, Autofahrer kommen zügig über die Autobahn 20 in die Hansestadt Greifswald.

Text: Hartmut Nieswandt

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