Pflügen war für die Kaltblutpferde und den Bauern ein verdammt hartes Brot, beim Arbeitstag der Kaltblutpferde im Agroneum können die Besucher es nacherleben. Foto: Hartmut Nieswandt

Das Freilichtmuseum Agroneum lädt zur unvergesslichen Zeitreise ein

Von Pferderomantik bis Traktorentreffen: Das Agroneum Alt Schwerin in der Mecklenburgischen Seenplatte lockt wieder mit interessanten Höhepunkten. Vor allem aber lohnt ein Besuch im Freilichtmuseum aufgrund des einzigartigen und lebendigen Bewahrens vom traditionellen Landleben und der Landwirtschaft.

Der Traktor „Pionier“ war in den 1950er- und 1960er-Jahren einer der Standardschlepper der DDR. Fotos: Hartmut Nieswandt

Hausgemachte Wurst, Schinken, schlachtfrisches Fleisch und herzhafte Spezialitäten aus Mecklenburg: Nichts für Liebhaber der veganen Küche, aber ein leckeres Stück mecklenburgischer Geschichte, mit dem das Agroneum in Alt Schwerin in der Mecklenburgischen Seenplatte Ende März die diesjährige Saison eröffnete. Dabei durften die Besucher dem Fleischer Ronny Peters beim Schlachtefest bei seinem Handwerk auch über die Schulter schauen. Parallel dazu wurden zum traditionellen Museumserwachen auf dem großen Freigelände im Rahmen einer offenen Führung nach und nach die Gebäude aufgesperrt und einige der historischen Landmaschinen aus dem Winterschlaf geholt.

Im Agroneum pulsiert das Dorfleben wie damals

Stellmacherei, Reifenschmiede, Sägegatter, Ausstellungshallen mit Agrarfliegern und historischen Landmaschinen, die malerische Windmühle und vieles mehr sind nun wieder zu bestaunen: Das Agroneum Alt Schwerin ist täglich für seine Besucher von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Museumsleiterin Anke Gutsch ist froh, dass das Schlachtefest in diesem Jahr wieder stattfinden konnte, Pandemiebedingt war das in den vergangenen zwei Jahren nicht möglich.

Dieses Bild entstand in den 1960er-Jahren im Kreis Waren (Müritz): Ein Mähdrescher E 175 und ein Lkw H3A mit Warener Kfz-Kennzeichen beim Ernteeinsatz. Foto: Agroneum

Jetzt können sich alle Leute, die sich für dörfliches Leben und Geschichte und die Landwirtschaft interessieren, wieder auf ein interessantes Museumsjahr freuen. Zum Internationalen Museumstag am 15. Mai werden kostenlose Führungen angeboten. Dass Pferde nicht nur für schöne Stunden in der Freizeit wichtig sind, zeigen die Huftiere beim Arbeitstag der Kaltblutpferde am 28. Mai.

Die Vierbeiner demonstrieren, wie Göpel angetrieben und Stämme gerückt werden. Vorführungen mit historischen Arbeitsgeräten und -maschinen geben Einblicke in den Alltag: traditionelles Handwerk zum Zuschauen und Mitmachen: Buttern, Spinnen, Töpfern, Schmieden, Korbflechten und vieles mehr. Die jüngsten Besucher können beim Filzen, Kartoffeldruck und anderen Basteleien ihr Geschick erproben.

Festumzug mit Pferden, Erntewagen und Traktoren

Und das ist wieder ein besonderer Höhepunkt: das Oldtimer- & Traktorentreffen am 13. und 14. August. Laut und nostalgisch wird es, wenn Aussteller aus ganz Deutschland ihre historischen Schätze vorführen. Schwere Traktoren, Steinbrecher, Dreschkästen und viele andere landwirtschaftliche Arbeitsmaschinen werden eindrucksvoll und lautstark in Szene gesetzt. Zeit für die Kartoffelernte: Die Besucher des Agroneums können beim Kartoffelfest am 4. September den Festumzug mit Pferden, Erntewagen und Traktoren bei hausgemachten Schlemmereien rund um den Erdapfel erleben.

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Pflügen war für die Kaltblutpferde und den Bauern ein verdammt hartes Brot, beim Arbeitstag der Kaltblutpferde im Agroneum können die Besucher es nacherleben. Foto: Hartmut Nieswandt
Pflügen war für die Kaltblutpferde und den Bauern ein verdammt hartes Brot, beim Arbeitstag der Kaltblutpferde im Agroneum können die Besucher es nacherleben. Foto: Hartmut Nieswandt

Beim Kürbisfest am 16. Oktober dreht sich alles um den Kürbis. Zum Saisonausklang am 6. November wird es noch einmal bei Leckereien vom Grill und aus der Gulaschkanone am knisternden Feuer gemütlich. Zum Ausklang der Saison drehen die historischen Landmaschinen noch eine letzte Ehrenrunde, bevor sie wieder in das Winterquartier einfahren.

„Lichterglanz zum Jahreswechsel“ heißt es am 30. Dezember: Ein loderndes Lagerfeuer und Köstlichkeiten vom Grill, Glühwein, Punsch, und duftende Waffeln wärmen Leib und Seele. Bei einer Fackelwanderung in der Dämmerung verabschiedet das Agroneum das alte Jahr.

Die DDR-Wohnung eines LPG-Bauern ist ein Glücksfall

Auch das kann man sich bereits vormerken: Erlebnis Schmieden im Agroneum. Es werden die Grundkenntnisse des Schmiedens vermittelt, kleine Schmiedestücke wie Haken, Nägel, kleine Schnecken werden selbst geschmiedet und können als Andenken im Anschluss mit nach Hause genommen werden. Die Schmiede-Workshops finden von Mai bis Oktober zwei Mal im Monat statt (Infos: 039932 47450).

Anke Gutsch ist die Leiterin des Agroneums. Hier hat sie in der Wohnstube der original erhaltenen Wohnung einer LPG-Bauern-Familie Platz genommen. Foto: Hartmut Nieswandt
Anke Gutsch ist die Leiterin des Agroneums. Hier hat sie in der Wohnstube der original erhaltenen Wohnung einer LPG-Bauern-Familie Platz genommen.

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Die „Erlebniswelt Wohnen“ ist einzigartig in ganz Mecklenburg: Die Katenzeile inmitten des Dorfes Alt Schwerin zeigt das Wohnen auf dem Lande im Wandel der Zeit. Als Highlight befindet sich im Katen eine original belassene Wohnung eins LPG-Bauern mit seiner Familie. Am Heiligabend 1970 verschloss Alfred Greve die Tür seiner alten Wohnung, das komplette Inventar hatte die Familie an das Museum verkauft. Nur ein paar ganz persönliche Fotos nahm die Familie Greve in ihre neue Wohnung in den Neubau mit.

So kann der Besucher also original erleben, wie ein DDR-Wohnung auf dem Lande Ende der 1960er-Jahre aussah. Und wie Landwirtschaft in der DDR betrachtet wurde, ist ebenfalls zu sehen: 
Gegenüber dem Steinkaten steht die ehemalige Schnitterkaserne, hier befindet sich heute als „Museum im Museum“ die original belassene DDR-Ausstellung von 1988 mit dem Thema „5000 Jahre Landwirtschaft in Mecklenburg“. Hartmut Nieswandt

Weitere Informationen: Agroneum, Achter de Isenbahn 1, 17214 Alt Schwerin, Rufnummer 039932 47450, Alt Schwerin ist gut von der Autobahn 19, Abfahrt Malchow, zu erreichen.