Über den Wipfeln der 1000-jährigen Eichen, Foto: Eckhard Kruse

Spazieren über den Wipfeln der 1000-jährigen Ivenacker Eichen

Mitte in Mecklenburg leben Zeugen des vergangenen Jahrtausends: Die Ivenacker Eichen standen schon da, als Kaiser Barbarossa in Europa herrschte und Martin Luther mit seinen Thesen die Welt reformierte. Sie haben den Dreißigjährigen Krieg und zwei Weltkriege überlebt. 1000 Jahre haben einige bereits auf der Rinde. Und dank eines Pfades in schwindelerregender Höhe können Besucher den Baumgiganten sogar auf die Krone gucken.

In der Mecklenburgischen Seenplatte bei Stavenhagen sind einige der ältesten Lebewesen Deutschlands zu erleben: Die Ivenacker Eichen haben schon zehn Jahrhunderte miterlebt. Wie winzig sich der kleine Mensch vorkommt: Er steht unten am gewaltigen Stamm der Eiche, der im Umfang mehr als elf Meter misst. Der kleine Mensch legt den Kopf in den Nacken und blickt nach oben.

Die Ivenacker Eichen auf dem Baumkronenpfad bewundern

30, 35 Meter hoch ist der mächtige Baum. Wie mag es wohl dort oben aussehen? Nie wird der kleine Mensch so hoch nach oben klettern können um zu sehen und zu spüren, wie die Welt dort oben beschaffen ist… Wer so sehnsuchtsvoll in die Welt dort oben blickte, kann diese bisher unzugängliche Sphäre jetzt besuchen.

Das ist die mächtigste der Ivenacker Eichen: 35,5 Meter hoch, 180 Festmeter Holz - die stärkste lebende Eiche Europas. Foto: Hartmut Nieswandt
Das ist die mächtigste der Ivenacker Eichen: 35,5 Meter hoch, 180 Festmeter Holz – die stärkste lebende Eiche Europas. Fotos: Hartmut Nieswandt, Titelfoto: Eckhard Kruse

In den 1000-jährigen Ivenacker Eichen mitten in Mecklenburg gibt es einen Baumkronenpfad, auf dem man im gemütlichen Gang bis in eine Höhe von 40 Metern gelangt und so den uralten Eichen sogar von oben auf die Krone blicken kann. Auf diesem Pfad können die Besucher auf einem 620 Meter langen hölzernen Weg den Wald also wie noch nie erleben.

Hier steht die volumenreichste noch lebende Eiche Europas

Die 40 Meter hohe Aussichtsplattform bietet einen Rundumblick über die Baumkronen und den Ivenacker See mit dem romantischen Schloss an seinem Ufer. Die Baumkronenpfad-Bezwinger haben die Möglichkeit, auf 14 Stationen viel über den Wald zu erfahren. Und sie steigen langsam vom Stamm bis zur Krone empor. Der Pfad ist natürlich sehr stabil und so sachte ansteigend angelegt, dass den Aufstieg jeder schafft.

Die 1000-jährigen Ivenacker Eichen sind übrigens das erste „Nationales Naturmonument“. Dieses Prädikat wurde dem Ivenacker Tiergarten verliehen, weil die Ivenacker Eichen eine kultur- und naturhistorische Besonderheit sind, die ihresgleichen sucht. Sie gehören zu den ältesten Bäumen Deutschlands und haben eine ganz besondere Ausstrahlung und Symbolkraft.

Die mächtigste der alten Eichen gilt mit 180 Festmetern Holzmasse als volumenreichste noch lebende Eiche in Europa. Das genaue Alter der Eiche kann nicht ermittelt werden, aber aus Jahresringmessungen kann geschlussfolgert werden, dass 1000 Jahre gut möglich sind.

Blick vom 40 Meter hohen Aussichtsturm: Schloss und Kirche liegen idyllisch am Ivenacker See. Foto: Hartmut Nieswandt
Blick vom 40 Meter hohen Aussichtsturm: Schloss und Kirche liegen idyllisch am Ivenacker See.

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Am Ende des ersten Jahrtausends unserer Zeitrechnung, als diese Eichen keimten, lebten hier Manschen des slawischen Stammes der Wilzen. Waldweide war damals schon üblich. Man trieb Schweine, Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde zur Futtersuche in die Wälder. Die ehemals geschlossenen Wälder wurden durch den Verbiss der Weidetiere licht, nur wenige breitkronige Buchen und Eichen konnten sich halten und entwickeln, es entstand der so genannte Hudewald. Das Weidevieh blieb dem Wald lange erhalten. Waren es zuerst slawische Siedler, so trieben vor 750 Jahren Hirten des Zisterzienserklosters aus Ivenack ihr Vieh hier in den Wald.

Damwild sorgt dafür, dass es den Bäumen gutgeht

Nach der Reformation (Ende des 16. Jahrhunderts) wurden die Ivenacker Eichen Eigentum des herzoglichen Amtes Ivenack. Im Jahre 1709 wurde das Amt Rittergut. Kurze Zeit danach wurde  der „Thiergarten“ angelegt, er bestand bis zur Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929. Die Rolle des Weideviehs wurde vom eingegatterten Damwild übernommen.

Das Damwild in den Gehegen ist sehr zahm, man kann sich bis auf wenige Meter nähern. Foto: Hartmut Nieswandt
Das Damwild in den Gehegen ist sehr zahm, man kann sich bis auf wenige Meter nähern.

Damwild wird in Ivenack seit Ende des 17. Jahrhunderts gehalten. Nachdem das Tiergehege 1929 aufgelöst worden war, konnten plötzlich junge Bäume aufwachsen und der Charakter des Hudewaldes ging allmählich verloren. Im Jahr 1972 ließ man den Tiergarten in einem kleineren mit Damwild besetzten Gatter, neu entstehen. Den uralten Eichen wurde durch sorgsames Beseitigen des Jungwuchses wieder Raum zum Wachsen gegeben. Text: Hartmut Nieswandt 

Weitere Informationen: Landesforst MV, Forstamt Stavenhagen, An den Tannen 1, 17139 Gielow, Rufnummer 039957 2980, Email: stavenhagen@lfoa-mv.de. Forstaemter › Stavenhagen, www.mecklenburgische-seenplatte.de

Der Ivenacker Tiergarten ist ganzjährig geöffnet. Man erreicht Ivenack über die A 19, Abfahrt Güstrow, dann weiter über die B 104 Richtung Teterow bis Stavenhagen, dort abbiegen zu den Ivenacker Eichen (ist ausgeschildert).

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