Blick auf die Altstadt von Wittstock. Foto: Archiv Nordkurier

Dieses Kriegs-Museum in Wittstock ist einzigartig in Europa

Die Alte Bischofsburg von Wittstock beherbergt heute das Museum des Dreißigjährigen Krieges. Für Geschichtsinteressierte ist ein Besuch dieses Ortes ein Muss. Immerhin gehörte die Burg einst zu den Schauplätzen der Kriegshandlungen. Doch die jüngere Vergangenheit von Wittstock ist bemerkenswert. Und vor allem landschaftlich ist ein Besuch im Tor zur Mecklenburgischen Seenplatte reizvoll.

Wittstock kurz nach dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs. Kupferstich von Matthäus Merian d. J. aus dem Jahre 1652. Abbildung: Archiv Nordkurier
Wittstock kurz nach dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs. Kupferstich von Matthäus Merian d. J. aus dem Jahre 1652. Abbildung: Archiv Nordkurier

Ein mächtiges Bauwerk schon aus der Ferne: Ungemein beeindruckend ist der 32 Meter hohe Turm der Alten Bischofsburg. Er ist sehr gut erhalten, weithin zu sehen und auch nach Jahrhunderten noch das wichtigste Wahrzeichen der kleinen nordbrandenburgischen Stadt. Der siebenstöckigen Turm gehört wie die Burg zu den Schauplätzen des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648).

Die Bischofsburg wurde im frühen 13. Jahrhundert erbaut

Heute beherbergt er das Museum des Dreißigjährigen Krieges. Es wurde am 24. September 1998 nach einer dreijährigen Restaurierung und Rekonstruktion der Burganlage als europaweit erstes dieser Art eröffnet. Dieses Museum allein schon ist für den Geschichtsinteressierten Grund genug, einen Ausflug zu unternehmen. Die Burg wurde ab 1244 als Residenz für die Bischöfe von Havelberg erbaut.

Blick in das Innere des Museums über den Dreißigjährigen Krieg. Foto: Archiv Nordkurier
Blick in das Innere des Museums über den Dreißigjährigen Krieg. Foto: Archiv Nordkurier

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Warum wird gerade hier in der nordbrandenburgischen Prignitz an den furchtbaren Krieg erinnert? Weil der Dreißigjährige Krieg einst auch vor den Toren der Stadt tobte, als in der Schlacht bei Wittstock die Schweden im Jahr 1636 über die kaiserlichen Truppen siegten. „Die Ausstellung sollte jeder einmal gesehen haben“, empfiehlt die Wittstocker Tourist-Information. Es werden nicht nur originale Waffen und Ausrüstungen gezeigt, sondern es gibt zudem gut aufbereitete Hintergrundinformationen, in denen die Ursachen und der Kriegsverlauf, aber auch das Leiden der Bevölkerung deutlich gemacht werden. Daneben werden hier verschiedene thematische Führungen und Projekte wie zum Beispiel „Alltag im Dreißigjährigen Krieg“, „Alltag und Leben im Mittelalter“ oder „Historische Schulstunden um 1900“ angeboten.

Einzig erhaltene Backsteinmauer Deutschlands

Und überhaupt: Mit ihrer alten Bausubstanz und der heute noch erhaltenen Stadtmauer versetzt der Ort Besucherinnen und Besucher in eine längst vergangene Zeit. Besonders erwähnenswert ist die mittelalterliche Stadtmauer. Sie ist die einzig noch erhaltene geschlossene Backsteinmauer in Deutschland. Sie umschließt die Stadt auf einer Länge von knapp 2,5 Kilometern. Mit dem Bau der zwischen vier und sieben Meter, früher zeitweise sogar bis elf Meter hohen Stadtmauer wurde 1244 begonnen. Auch darum ist die Stadt Mitglied der Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen“ des Landes Brandenburg.

Während der Landesgartenschau lockte Wittstock im Jahr 2019 viel Publikum in die Stadt. Foto: Archiv Nordkurier
Während der Landesgartenschau lockte Wittstock im Jahr 2019 viel Publikum in die Stadt. Foto: Archiv Nordkurier

Wittstock entstand aus einer slawischen Siedlung, wurde 946 in der Stiftungsurkunde für das Bistum Havelberg erstmals erwähnt und ist damit eine der ältesten Städte Brandenburgs. Am 13. September 1248 wurde Wittstock durch Bischof Heinrich I. von Havelberg das Stendaler Stadtrecht verliehen. Die auf den Fundamenten einer slawischen Befestigung errichtete Wittstocker Burg diente den Bischöfen von Havelberg von 1271 bis 1548 als Wohnsitz. Sie wird daher auch als Alte Bischofsburg bezeichnet.

Verheerendes Erdbeben und Feuerbrunst im 15. Jahrhundert

So etwas gab es damals auch: Am 23. August 1410 wurde der brandenburgische Ort durch ein Erdbeben erschüttert. 1495 zerstörte eine Feuersbrunst große Teile der Stadt. 1638 brach die Pest in der Stadt aus. 1 500 Menschen, das war die Hälfte der Bevölkerung, starben. Zum Ausgleich wurden später knapp 1 800 Kolonisten aus anderen Teilen Deutschlands, zum Beispiel aus Württemberg oder der Pfalz, in Wittstock eingebürgert. Die Herrschaft des Bistums Havelberg endete an der Dosse 1550 mit der Reformation.

Sie gehört zu den drei Textilarbeiterinnen im Wittstocker Obertrikotagenwerk, deren Schicksal über 22 Jahre hinweg dokumentiert wurde. Diese Dokumentation ist auf DVD im Handel erhältlich. Foto: Archiv Nordkurier
Sie gehört zu den drei Textilarbeiterinnen im Wittstocker Obertrikotagenwerk, deren Schicksal über 22 Jahre hinweg dokumentiert wurde. Diese Dokumentation ist auf DVD im Handel erhältlich. Foto: Archiv Nordkurier

Ab 1952 war Wittstock Kreisstadt im DDR-Bezirk Potsdam. 1968 wurde auf dem Gelände der alten Tuchfabrik der Volkseigene Betrieb (VEB) Obertrikotagenwerk „Ernst Lück“ gegründet. 1989 hatte er als größter Arbeitgeber der Stadt 2800 Beschäftigte, eine gigantische Größe für so eine kleine Stadt mit knapp 15 000 Einwohnern. 1990 wurde der Betrieb von der Treuhand vernichtet. Aber rund um das Trikotagenwerk entstand ein sehr interessantes Projekt: Zwischen 1975 und 1997 drehte der Dokumentarfilmer Volker Koepp eine sieben Teile umfassende Langzeitdokumentation über Arbeiterinnen des VEB Obertrikotagenbetriebs „Ernst Lück“. Für die Fabrikarbeiterinnen Edith, Renate und Elsbeth begann dort 1974 die Zukunft. Begleitet hat sie Volker Koepp 22 Jahre lang. Er schrieb mit seinem Wittstock-Zyklus ein Stück Filmgeschichte der DDR (die Dokumentation ist auf DVD im Handel erhältlich)

Die Stadt an der Dosse wird gern auch als „Tor zur Mecklenburgischen Seenplatte“ bezeichnet. Mit der Bahn erreicht man die Stadt per Regionalexpress von Berlin, Fahrzeit rund 100 Minuten. Über die Autobahn A 24 (Berlin – Hamburg) nimmt man die Abfahrt Wittstock, von der A 19 (Rostock – Wittstock) aus die Abfahrt Pritzwalk.
Text: Hartmut Nieswandt

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