Friedliche 40 Zentner Wisent. Aber Respekt ist geboten, sie können mit Tempo 60 laufen...

Wilde Wisente im Damerower Werder

Wisente sind Furcht einflößende Giganten aus der Urzeit. Beinahe wären die Wildrinder in der Mecklenburger Seenplatte vor 70 Jahren ausgestorben. Eine einzigartige Aktion rettete die Tiere und startete eine Erfolgsgeschichte.

Fast ausgerottet waren die urwüchsigen Wisente, die zu den Wildrindern gehören, im Jahr 1957. Knapp 300 Tiere gab es noch. Am Kölpinssee, mitten in Mecklenburg, direkt in der wunderschönen Seenplatte, leben so wenige Leute, dass es dort Platz gab für Wisente. Darum wurde eben in jenem Jahr 1957 auf dem Damerower Werder die Wisentzucht aufgebaut.

Der legendäre Prof. Dr. Dr. Dathe wusste Rat

Der Werder ist eine von Kölpinsee und Jabelschem See umschlossene bewaldete und menschenleere Halbinsel. Pumik und Puella, zwei Wisente, die Weltkriege und Jagd im Wald von Białowieza in Ostpolen überlebt hatten, wurden angesiedelt. Eigentlich waren die beiden Tiere für den Tierpark Berlin bestimmt. Aber dessen Direktor, der legendäre Direktor Prof. Dr. Dr. Heinrich Dathe, wusste genau: Die Wildrinder brauchen einen Platz, an dem sie ungestört und naturnah leben können, sonst klappt es mit der Zucht nicht. Und dieser Platz wurde am Kölpinsee gefunden (www.wald-mv.de).

Eine Erfolgsgeschichte begann. Heute leben dort rund 30 Tiere, mehr als 300 Kälber wurden dort inzwischen geboren. Jedes Jahr besuchte Prof. Dathe „seine“ Wisente. Und weil es das Wisentreservat Damerow natürlich auch heute noch gibt, kann jeder Naturfreund den Wildrindern einen Besuch abstatten und sich in ihren gewaltigen Bann ziehen lassen. Das ist von Berlin oder Hamburg aus komfortabel möglich: Die Abfahrt Malchow der Autobahn 19 befindet sich ganz in der Nähe, von dort aus sind es nur noch knapp 25 Kilometer ostwärts in Richtung Waren.

Das erste Kalb hieß Dagmar

Übrigens beginnen die Namen aller dort geborenen Wisentkälber mit „Da“ wie Damerow (und wie Dathe), das ist in den züchterischen Richtlinien so festgelegt. Das erste Kalb im Jahr 1958 wurde „Dagmar“ getauft. Nach weit mehr als 300 Kälbern ist es heute alles andere als einfach, immer weitere „Da…“-Namen zu erfinden. Eine schwere Aufgabe also für Revierförster Fred Zentner, sich da jedes Mal wieder etwas nie da gewesenes einfallen zu lassen. Der Forstmann ist der Chef vom Forstamt Nossentiner Heide, das das Reservat betreut.

Gaststätte zeigt viele Ausstellungsstücke

Vielleicht fällt ja einem künftigen Besucher des Damerower Werders ein Name ein. Das kann er gern Stefanie Wittassek, der freundlichen Chefin der „Damerower Wisentgaststätte“, mitteilen (039929 76711). Genau am Eingang zum Reservat befindet sich diese Gaststätte. Hier wird der Kartenverkauf komplett abgewickelt. Und hier werden in Bild, Ton und mit vielen Ausstellungsstücken die Gäste auf ihren Ausflug zu den Wisenten eingestimmt.

Heute leben in Europa rund 6000 Wisente, an diesem Erfolg hat auch Damerow mitgeschrieben. Und manchmal gibt es – das scheint erst mal gar nicht zu passen – in der Damerower Gaststätte Wisentfleisch. Das hat folgenden Hintergrund: Damerower Jungbullen wurden bereits an viele internationale Partner übergegeben. Das klappt aber nicht für jeden Jungbullen. Darum muss der eine oder andere von ihnen „über die Klinge springen“…

Geöffnet: Ostern bis 31. Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr, 1. November bis 31. Dezember sonnabends und sonntags von 10 bis 17 Uhr, danach bis Ostern geschlossen. Fütterungen täglich um 11 und 15 Uhr, da kann man die Tiere am besten beobachten. Infos: Forstamt Nossentiner Heide, Fred Zentner, www.nossentinerheide.wald-mv.de, Rufnummer 039927 7500

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