Internationales Jugendprojekt in Bröllin

Ein Schloss für Jung und Alt

von Matthias Diekhoff, 30.07.2014

Wer in dem kleinen Dorf Bröllin bei Pasewalk über die Straße geht, betritt die Welt. Eine junge Italienerin telefoniert lautstark mit der Heimat, eine Schwedin schweißt, obwohl sie viel besser singen kann, und belgische Mädchen beklagen sich darüber, dass ihr Zelt im Platzregen gerade absäuft. Irgendwo auf dem Gelände proben zwei oder drei Bands. Das ist der „Sound of Bröllin“. So heißt auch das Projekt, für das das Jungendfunkhaus Berlin schon seit fünf Jahren mit Jugendlichen aus aller Welt in die Abgeschiedenheit kommt, um alles Mögliche zu tun und auszuprobieren, was auch nur irgendwie mit Kunst zu tun hat. Da dieses Projekt nur eines von vielen internationalen ist, spielen Grenzen gerade dort vielleicht gar keine Rolle.

 

Siebdruck gehört hier zum "Sound of Bröllin".

 

Weit gefehlt. Die Grenze zum Land Brandenburg ist nicht weit weg und Nathalie Sensevy vom Team des Schlosses findet die einfach nur „bescheuert“. Denn wenn zum Beispiel das Land Mecklenburg-Vorpommern ein Jugendprojekt fördert, von denen es ohnehin schon wenig in der Gegend gibt, dann dürften Kids aus dem brandenburgischen nicht mitmachen. Umgekehrt interessieren sich auch die Medien auf der anderen Seite der Grenze nicht sehr für das, was auf dieser Seite passiert – und mag es noch so spektakulär sein. Dabei sollte es sich mittlerweile auch so herumgesprochen haben, dass es auf Schloss Bröllin fast immer etwas außergewöhnlich zugeht.

 

Verhältnis zwischen Alten und Jungen bessert sich

Das war schon vor 160 Jahren so. Damals erfuhr die deutsche Landwirtschaft ein enormes Wachstum und die Besitzer des damaligen Gutes Bröllin bauten es so um, dass es eine der modernsten landwirtschaftlichen Produktionsanlagen in der gesamten Region wurde. Die großen Ställe und Scheunen, die heute unter anderem Probenräume, Tanzstudios und Galerien beherbergen, lassen das früher gebaute, eigentliche Gutshaus geradezu unterdimensioniert erscheinen. Nach dem Krieg wurde das Anwesen von verschiedenen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) genutzt und nach der Wende von der Treuhand übernommen.

 

Übungen für das große Finale auf Schloss Bröllin.

 

Die Umbrüche jener Zeit hatten auch Auswirkungen auf West-Berlin, wo das R.A.M.M.-Theater bis dahin seine Heimat hatte. Mitglieder der Truppe schwangen sich in einen Van, begaben sich auf die Suche nach einem neuen Objekt und landeten schließlich in Bröllin. Damals lebten noch Einheimische im maroden Schloss gemeinsam mit den Künstlern aus der großen Stadt. „Das muss eine abgefahrenen Zeit gewesen sein,“ meint Nathalie Sensevy.

Im Laufe der Jahre wurde ein Verein gegründet und man nahm verschiedene Renovierungsarbeiten in Angriff. Im Vordergrund stand jedoch immer der Aufbau eines Produktionszentrums für darstellende Künste, die Durchführung von Workshops, Jugendprojekten und die Erschaffung von Räumen für künstlerische Produktionen aus aller Welt.

Das alles blieb natürlich nicht unbemerkt und wurde oft genug mit Skepsis bedacht. Mittlerweile habe sich das Verhältnis zwischen den alten und nicht mehr ganz so neuen Bröllinern sehr verbessert, sagt Nathalie Sensevy. Einmal habe sie eine Großmutter mit Enkelin in der Nähe des Schlosses beobachtet. Und als das Mädchen fragte: „Oma, wohnen dort böse Menschen“, da habe die geantwortet: „Nein, das sind Künstler“.

 

Fotos: Matthias Diekhoff / NK

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