Der Inselkutscher - eine lange Tradition, die sich keine Pause gönnt

Usedom: Kutschfahrten für Urlauber

von Katja Müller, 18.02.2014

Fast täglich lässt sich Gerhard Zeplin die frische Inselluft um die Nase wehen. Und das schon seit vielen Jahrzehnten. Denn er hat wohl einen der schönsten Arbeitsplätze auf der Insel Usedom. Das Bansiner Urgestein ist Kutscher.

 

Mit seinen Pferden ist er seit 1969 auf Usedom unterwegs. Früher waren es vorrangig Holz und Kohlen die er mit seinem Pferdewagen über die Inselstraßen transportiert hat. „Ich habe das Fahrgeschäft von meinem Schwiegervater übernommen. In den ersten Jahren war das echt harte Arbeit. Und dann kamen die Urlauber. In den 80ern waren es besonders viele.“ Aber allein davon leben, das konnte Gerhard Zeplin nicht.

 

Kutscher Gerhard Zeplin bei der Arbeit.

 

"Ich brauche das" - ohne die Pferde geht es nicht

"Wir haben immer beide gearbeitet. So viel wirft das Fahrgeschäft nicht ab. Aber er kann einfach nicht ohne seine Pferde“, sagt seine Frau Angela. Doch sie hat stets Verständnis für das zeitintensive Hobby ihres Mannes. Denn mehr ist es jetzt nicht. Gerhard Zeplin ist mit seinen 75 Jahren bereist lange Rentner, doch aufhören will er nicht. „So lange ich auf den Bock komme, werde ich auch fahren. Ich brauche das. Die Arbeit, die frische Luft und die vielen jungen Frauen halten mich fit“, sagt der Bansiner und muss lachen.

 

Bei den Kutschfahrten erzählt Zeplin auch gern etwas über die Insel.

 

Er ist eine Frohnatur und macht gern mal ein Schwätzchen mit seinen Fahrgästen, erklärt die Umgebung und manchmal singt er auch. „Aber nur im Wald, da wo mich keiner hört!“ Aber nicht nur Damen zeigt der Bansiner die schönen Ecken der Insel. Besonders gern fährt er die Geburtstagsgäste seines kleinen Enkelsohns. „Er ist vor kurzem sechs Jahre alte geworden. Dann haben wir mit den Kindergartenfreunden eine Kremserfahrt gemacht. Das ist immer super. Auch andere Eltern haben das schon gemacht“, erzählt Gerhard Zeplin, der von seinen Stammgästen auch gern „Gerdi“ genannt wird.

 

Wallach Felix & Stute Hanni sind immer dabei

Und jetzt, wo die Sonne noch ein paar wärmende Strahlen über die farbenprächtige Inselnatur wirft, fährt er besonders gern. Mit Wallach Felix und Stute Hanni geht es dann oft zum Gasthaus Fangel, zur Benzer Mühle, dem Mellethiner Wasserschloss oder in Richtung Gothensee.

 

Die Zugpferde Felix und Hanni ziehen die Kutsche.

 

„Die Krebsseen sind auch jede Reise wert. Eigentlich ist es auf der Insel überall schön.“ Nur um die Kaiserbäder macht Zeplin einen Bogen. „Dort kommt man einfach nirgends durch, da steht man länger im Stau als alles andere.“ Und selbst im Winter ist der Kutscher unterwegs. „Ich hatte sogar einen Schlitten, aber der kam leider nie zum Einsatz. Die Straßen werden gelaugt und die Waldwege sind gesperrt. Sehr schade, es war ein schöner Schlitten.“

 

Auch im Winter geht es auf Fahrt

Und so fährt Gerhard Zeplin mit das ganze Jahr mit zweien seiner vier Pferde und dem Kremser oder der über 100 Jahre alten Kutsche die Urlauber und Einheimischen über die Insel - selbst am Heiligabend und Silvester. Und vielleicht hat er bald die Wahl zwischen fünf Pferden. „Ich muss mal schauen, ob mir eins gefällt“, verabschiedet er sich. Seine Frau hat lediglich ein Schmunzeln dafür übrig. „So ist er eben, immer ein bisschen verrückt!“ Das ist wohl auch das Geheimnis ihrer 50-jährigen Ehe.

 

Fotos: Katja Müller / NK

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