Das ist der echte Müritz-Dampfer von heute: Die „Europa“ vor Waren. Foto: Hartmut Nieswandt

MV ahoi! Mit einem echtem Dampfer auf der Müritz

Dampfer auf der Müritz, dem größten deutschen Binnensee? Ach ja, Schifffahrtsromantik einer längst vergangenen Zeit… Stimmt nicht, denn auf der 117 Quadratkilometer großen Müritz und den benachbarten Gewässern der Mecklenburgischen Seenplatte kann man auch heute noch von Waren (Müritz) aus Ausflüge auf einem echten Dampfer unternehmen.

Dem Motorschiff „Europa“ gibt eine Dampfmaschine den richtigen Schub, um die Passagiere über die 30 Kilometer lange und 15 Kilometer breite Müritz zu befördern. Getrieben wird diese Maschine mit Öl – das ist das einzige Zugeständnis. Denn aus dem Schiffsschornstein qualmende Kohle würde nicht gut passen im Müritz-Nationalpark. (Infos:  03991 122668, www.weisse-flotte-mueritz.de).

Dampfschifffahrt mit großem Dichter verbunden

Die Geschichte der Dampfschifffahrt auf der Müritz reicht bis in das 19. Jahrhundert zurück und ist seit dem vorigen Jahrhundert mit dem Namen des brandenburgischen Dichters  Theodor Fontane verbunden. Der genoss 1896 sechs Wochen lang mit seiner Familie die Sommerfrische in Waren. Er wohnte mit seiner Gattin Emilie und der Tochter in der Villa Zwick, von der aus man auf die Müritz blicken konnte.

Und er machte Waren und die Landschaft rundherum bekannt als Fremdenverkehrszentrum mit dem Beinamen „Interlaken des Nordens“. Ihm zu Ehren erhielt die Straße, in der er die Sommerfrische genoss, den Namen Fontanestraße. Auch der wichtigste Müritz-Dampfer, der legendär wurde, erhielt seinen Namen.

Das später „Fontane“ genannte Schiff wurde 1910 in Brandenburg gebaut, 1918 kaufte es die Röbeler Schifferfamilie Krüger. Es war bis 1970, als es stillgelegt wurde, das schnellste auf dem „Kleinen Meer“, wie die Müritz auch genannt wird. Mit ihm wurde Holz geflößt, es zog Kähne, transportierte Sommergäste, war Omnibus zwischen den beiden 20 Kilometer voneinander entfernt liegenden Müritzstädten Waren und Röbel/Müritz, war Postdampfer, war über 50 Jahre lang Ausflugsdampfer und Arbeitsgerät.

Die „Fontane“ vergammelte am Ufer des Plauer Sees

An ihrem letzten Liegeplatz lag die „Fontane“ als rostiges Wrack am Ufer des Plauer Sees am Alt Schweriner Werder. Eigentlich wollte das Rostocker Schifffahrtsmuseum die „Fontane“ in ein Ferienhotel verwandeln. Daraus wurde aber nichts, schließlich wurde die einstige Schiffslegende zerlegt und verschrottet.

Im Buch „Die Schifffahrt auf der Müritz und den Mecklenburgischen Oberseen“ (ISBN 978-3-95400-842-1), das in der Reihe „Zeitreise“ des Sutton Verlages Erfurt erschien, können sie Interessierte zum Thema informieren.

Sutton Verlag Erfurt

Aber die Legende lebte weiter. Burghard Preiss, Schiffsbau-Ingenieur aus Bremen, er wuchs in Röbel auf, gilt er als der geistige Vater des Dampfschiffes, das heute auf der Müritz fährt, der „Europa“. Sie ist das Flaggschiff der Weißen Flotte Müritz. Es ist ein Nachbau der Fontane, wurde auf einer polnischen Werft auf Kiel gelegt.

2006 hatte die Europa ihre Jungfernfahrt

Burghard Preiss schob gemeinsam mit Weiße-Flotte-Geschäftsführer Horst Klatt diesen ambitionierten Nachbau an: Ostern 2006 hatte die „Europa“ ihre Jungfernfahrt auf der Müritz. Und warum heißt die „Europa“ nicht „Fontane“? Weil zu DDR-Zeiten ein damals neues Fahrgastschiff den Namen des Dichters erhielt. Diese „Fontane“ schippert nach wie vor über die Müritz, auch sie gehört zur Weißen Flotte.

Wenn heute die mit Dampf betriebene Schiffssirene der „Europa“ weit über die Müritz schallt,  ist es ein bisschen so wie damals, als Theodor Fontane hier die Mecklenburgische Sommerfrische genoss: Man bekommt ein bisschen eine Gänsehaut – und sogar die sonst ewig kreischenden Möwen scheinen einen Moment ihre lauten Schnäbel zu halten… Hartmut Nieswandt

Nach Waren (Müritz) kommt man bequem mit der neuen Bahnverbindung Rostock – Waren – Berlin – Dresden. Oder per Auto über die A 19-Abfahrt Waren.