Radtour Mecklenburgische Schweiz

Von Ankershagen bis Stavenhagen

von Frank Goyke, 18.02.2014

Mit dem Rad auf den Spuren von zwei berühmten Mecklenburgern. Von Ankershagen über Rumpshagen, Groß und Klein Flotow bis nach Stavenhagen.

 

Ein Jahr nach dem Tod des Archäologen Heinrich Schliemann im Jahre 1890 erschien dessen Autobiographie. Das erste Kapitel widmet sich unter anderem der Kindheit: „Ich wurde am 6. Januar 1822 in dem Städtchen Neu-Buckow in Mecklenburg-Schwerin geboren, wo mein Vater, Ernst Schliemann, protestantischer Prediger war und von wo er im Jahre 1823 in derselben Eigenschaft an die Pfarre von Ankershagen, einem in demselben Großherzogthum zwischen Waren und Penzlin belegenen Dorfe, berufen wurde. In diesem Dorfe verbrachte ich die acht folgenden Jahre meines Lebens, und die in meiner Natur begründete Neigung für alles Geheimnisvolle und Wunderbare wurde durch die Wunder, welche jener Ort enthielt, zu einer wahren Leidenschaft entflammt.“

 

Radtour startet in Ankershagen

Dieser Ort ist der Ausgangspunkt der folgenden Radtour, die bis nach Stavenhagen führt, der Geburtsstadt eines anderen prominenten Mecklenburgers.

Ankershagen erscheint als ein stilles, weltabgeschiedenes Dorf, gelegen an drei wichtigen Radwegen: dem „Blauen Müritzband“, dem Rundweg „Eiszeitroute Mecklenburgische Schweiz“ und dem Radfernweg "Berlin-Kopenhagen". Das Zentrum bilden wie in ländlichen Regionen üblich Kirche und Kirchhof. Hier ist es eine Feldsteinkirche, die schon 1266 geweiht wurde.

 

Das Schliemann-Museum in Ankershagen war einst das Elternhaus des
berühmten Archäologen. Foto: Frank Goyke.

 

Unweit der Kirche befindet sich das Pfarrhaus, das heute das einzige Heinrich-Schliemann-Museum weltweit beherbergt, dazu kommt ein verwunschener Pfarrgarten. Der kleine Teich, Silberschälchen genannt, reizte die Phantasie des jungen Schliemann, hieß es doch, dass ihm „um Mitternacht eine gespenstische Jungfrau, die eine silberne Schale trug, entsteigen sollte“.

 

Märchen-Schloss in Rumpshagen

Direkt gegenüber dem Museum führt eine Straße nach Rumpshagen, der zweiten Station dieser Tour. Neben der spätbarocken Kirche ist hier vor allem das zwischen 1730 und 1732 im Stil des Barock erbaute Herrenhaus sehenswert, das eine Besonderheit aufweist: Die Putzflächen der Fassade sind mit Glasbruch aus Waldglas verziert, der dem Schloss im Sonnenlicht eine fast märchenhafte Aura verleiht. Diese Fassadengestaltung ist einmalig in Mecklenburg-Vorpommern.

 

Das Barockschloss Rumpshagen. Foto: Frank Goyke.

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Bauwerk als Wohnhaus und für die Gemeindeverwaltung genutzt, heute befindet es sich in Privatbesitz und wurde umfassend saniert. Der Marihner Weg gibt schon den Namen der nächsten Etappe an. Marihn, 1304 erstmals urkundlich erwähnt, ist mit um die 250 Einwohnern ein kleines Dorf, aber es verfügt über ein überraschend großes Schloss mit einem ebenfalls riesigen Gutspark.

Einen längeren Zwischenstopp verdient aber vor allem die 30 Hektar große Park- und Gartenlandschaft (2009 Außenstandort der Bundesgartenschau Schwerin), die eine Reihe von Themengärten und den größten vom englischen Rosenzüchter David Austin angelegten Rosengarten der Welt bietet.

 

Auf altem Kopfsteinpflaster nach Lehsten

Weiter geht es über Groß und Klein Flotow nach Lehsten. Besonders interessant ist die Verbindung zwischen den beiden Flotows: Es handelt sich nämlich um eine original erhaltene Kopfsteinpflaster-Chaussee aus dem 19. Jahrhundert. Die Fahrt mit dem Rad ist mit erheblichen Erschütterungen für die Handgelenke verbunden. Man kann sich sehr gut vorstellen, wie einst die Kutschen und Pferdefuhrwerke von Ort zu Ort rumpelten.

Dass Lehsten eine Station an einer der Gartenrouten durch Mecklenburg-Vorpommern ist, verdankt es der Büdnerei. Büdnereien, abgeleitet von „Bude“, waren nach Aufhebung der Leibeigenschaft geschaffene kleinbäuerliche Pachten, die nur als Familienbetriebe und mit gleichzeitig ausgeübtem Handwerk überleben konnten.

 

Das Künstler-Ehepaar Brunhilde und Hans Schmalisch gestaltet die Büdnerei
Lehsten. Ein Halt auf der Tour empfiehlt sich. Foto: Heiko Brosin.

 

Die Büdnerei Lehsten, eine Kombination aus Wohngebäuden, Ställen und Werkstätten, wurde in den zurückliegenden Jahren vom Künstlerehepaar Schmalisch restauriert, wobei die alten Dielenfußböden und die lehmgestrichenen Wände weitgehend erhalten blieben. Es wurden Ferienwohnungen und ein Galeriecafé eingerichtet.

 

Zwischenstopp in Varchow

Von Lehsten geht es nun auf der Eiszeitroute via Groß Varchow nach Bredenfelde. Groß Varchow verdient einen Zwischenhalt wegen seiner aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts stammenden Backsteinkirche. Einige hundert Meter weiter muss man sich entscheiden: Man kann den asphaltierten Radweg über Neu Bredenfelde mit seinen Siedlungshöfen nehmen oder eine ausgeschilderte Abkürzung in Form eines abschüssigen Feldweges – der ist aber wahrhaft markerschütternd und nach Regengüssen kaum passierbar.

 

Englischer Stil aus preußischer Feder

Beide Trassen führen auf die Bredenfelder Kirche zu, deren Ursprünge wohl in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts liegen, wobei das heutige Gebäude aber ein neogotisches Bauwerk aus der Feder des bekannten Neustrelitzer Hofbaumeisters Friedrich Wilhelm Buttel (1796-1869) ist.

Ausgeschildert ist an der Dorfstraße der Weg zum Herrenhaus, einem ebenfalls neogotischen, im sogenannten Tudorstil geschaffenen Bauwerk (1851-1855). Der englische Schlosspark wurde ab 1840 nach Plänen eines weit berühmteren Zeitgenossen Buttels, des Gartenbaudirektors Peter Joseph Lenné (1789-1866) gestaltet. Allerdings wurde der Park infolge der Schaffung von Siedlerstellen Anfang der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts stark verändert, sodass der frühere Charakter kaum mehr zu erkennen ist.

 

Herrenhaus Kittendorf

Wenige Kilometer entfernt an der B 194 liegt Kittendorf. Auch hier gibt es ein großzügiges Herrenhaus. Das Schloss wurde von 1848 bis 1853 für Hans Friedrich von Oertzen erbaut. Der Landschaftsgarten, der für jedermann zugänglich ist, wurde um 1850 geschaffen, wobei seine Zuschreibung an Lenné fraglich ist.

Das terrassenförmig zur Kittendorfer Peene abfallende Gelände bietet interessante Ausblicke, und es fehlt auch die Liebesinsel nicht, die man über eine weiße Holzbrücke betreten kann.

 

Letzte Station: Reuterstadt Stavenhagen

Um der vielbefahrenen Bundesstraße zu entgehen, ist es günstig, den unmittelbar hinter dem Gasthaus „Nörenberg“ beginnenden Radweg nach Stavenhagen zu nutzen. Die letzten etwa zehn Kilometer legt man dann über Bauernreihe, Voßhagen, Jürgentorf und Pribbenow zurück, um schließlich die Reuterstadt zu erreichen.

Hier bietet sich an, die Stadt mit Reuters Werk „Meine Vaterstadt Stavenhagen“ in der Jackentasche zu durchstreifen, Kirche und Schloss in Augenschein zu nehmen oder das Reutermuseum im früheren Rathaus zu besichtigen. Für den bahnreisenden Radler endet die Tour am Bahnhof. Seit 1864 verbindet dieser die Stadt mit Lübeck im Westen und Stettin im Osten.

 


Tourdauer 4-5 Stunden
Wegbeschaffenheit asphaltierte und betonierte Wege, Kopfsteinpflaster, Feldwege
Strecke gut ausgeschildert

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