Der Schweriner Dom ist das einzige mittelalterliche Baudenkmal der Landeshauptstadt, das die Jahrhunderte überdauerte. Neben dem Schweriner Schloss eine der Sehenswürdigkeiten. Manche sagen, der Kirchturm sei der höchste in ganz Ostdeutschland.

Schwerin hat nicht nur das Märchenschloss zu bieten

Na klar, das Schweriner Schloss ist DAS Märchenschloss überhaupt, da kommt höchstens Neuschwanstein noch mit. Also lenkt der Besucher der mecklenburgischen Landeshauptstadt seine ersten Schritte hin zur romantischen Insel mit dem romantischen Schloss. Muss er aber nicht!

Blick vom Marktplaz zum Dom.
Blick vom Marktplaz zum Schweriner Dom.

Denn in der Metropole im Westen Mecklenburg-Vorpommerns gibt es ein viel älteres und ebenso interessantes Gebäude. Und das hat sogar Wolkenkratzer-Qualitäten, die der Stadtbesucher unbedingt nutzen sollte: Es geht um den Schweriner Dom. Er ist das einzige mittelalterliche Baudenkmal der Landeshauptstadt, das die Jahrhunderte überdauerte. Fast 200 Jahre, von 1272 bis zum Ende des 15. Jahrhunderts, war der Domhügel die größte Baustelle der Stadt.

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Ein Blutstropfen Christie kam nach Schwerin

Der erste Dom, den noch Heinrich der Löwe geweiht hatte, musste bis auf den Turm vollständig niedergerissen werden, ein neuer Dom wurde errichtet, weil der alte einfach nicht mehr groß und schön genug war… Dazu kam, dass Graf Heinrich von Schwerin im Jahre 1222 von einem Kreuzzug nach Ägypten einen in Jaspis eingeschlossenen Blutstropfen Christi mitgebracht hatte, der dem Bischof Burgward zur Aufbewahrung in der gräflichen Grabkapelle übergeben worden war.

Auf dem Weg nach oben passiert der Besucher übrigens fünf Glocken, von denen die älteste aus dem Jahr 1363 stammt.
Auf dem Weg nach oben passiert der Besucher übrigens fünf Glocken, von denen die älteste aus dem Jahr 1363 stammt.

Noch mal zum Thema Wolkenkratzer: Der Turm des Doms strebt 117,5 Meter in die Höhe und ist damit der höchste Kirchturm von ganz Mecklenburg-Vorpommern. Manche sagen sogar ganz Ostdeutschlands. Wie dem auch sei, wer die 220 Stufen des Turms erklimmt, den empfängt in 50 Metern Höhe ein atemberaubender Blick über die Schweriner Seenlandschaft. Der Turm ist übrigens weit jünger als der Dom, er entstand als neugotisches Bauwerk erst in den Jahren von 1889 bis 1893.

Schweriner Dom im Stil französischer Kathedralen

Vorbilder für die Baumeister des Schweriner Doms fanden sich in den Kirchenbauten in Lübeck (St. Marien) und Stralsund (St. Nikolai), die im Stil nordfranzösisch-flandrischen Kathedralen gebaut worden waren. Im gesamten 14. Jahrhundert wurde in Schwerin am Langhaus und Querhaus sowie an den Kapitelgebäuden gebaut.

Historische Abbildung des Schweriner Doms aus dem 19. Jahrhundert. Damals war der 117,5 Meter hohe Turm noch nicht gebaut. Abbildung: Archiv Nordkurier
Historische Abbildung des Schweriner Doms aus dem 19. Jahrhundert. Damals war der 117,5 Meter hohe Turm noch nicht gebaut. Abbildung: Archiv Nordkurier

Aber immer noch fehlte die Wölbung, als den bischöflichen Schweriner Baumeistern ein ungeheuerliches Ereignis in Stralsund zur Hilfe kam: Dort hatten einige Bürger drei Geistliche verbrannt. Als Sühne für diese Freveltat wurde den Stralsundern von einer päpstlichen Kommission auferlegt, ihre Bischofskirche, also den Schweriner Dom, vom Chor bis zum Turm auf eigene Kosten zu überwölben. Der Anbau des Kreuzganges auf der Nordseite vollendete gegen Ende des 15. Jahrhunderts das mittelalterliche Bauwerk.

28 Meter ragt das beeindruckende  Mittelschiffgewölbe in die Höhe.
28 Meter ragt das beeindruckende  Mittelschiffgewölbe in die Höhe.

Staunend stehen heute die Besucher auch im Innern des gewaltigen Bauwerkes unter dem 28 Meter hohen Mittelschiffgewölbe, vor dem schönen spätgotischen Flügelaltar aus einer lübschen Werkstatt, bewundern die holzgeschnitzten Madonnen und die aus Messing gefertigten Grabplatten für vier Schweriner Bischöfe aus dem Geschlecht der von Bülows und genießen schließlich den Blick über die Stadt der Seen und Wälder von der Aussichtsgalerie des Domturmes.

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Blick vom Domturm zum Märchenschloss. Links ist der Schweriner See zu sehen.
Blick vom Domturm zum Märchenschloss. Links ist der Schweriner See zu sehen.

Uralte Glocken und eine prächtige Orgel

Auf dem Weg nach oben passiert der Besucher übrigens fünf Glocken, von denen die älteste aus dem Jahr 1363 stammt. An der prächtigen Orgel des Baumeisters Ladegast mit ihren 5100 Zinnpfeifen spielen alljährlich Organisten aus aller Welt. Bemerkenswert sind auch die Grabmäler mehrerer Herzöge. Darunter die Ruhestätte von Großherzog Friedrich Franz II. sowie das Epitaph für Herzog Christoph von Mecklenburg und dessen Gemahlin Elisabeth von Schweden. 

Blick in die Altstadt: Zu DDR_Zeiten wurde die Straßenbahn als wichtigstes Verkehrsmittel ausgebaut. Diese umweltfreundliche Entscheidung wurde nach der Wende übernommen.
Blick in die Altstadt: Zu DDR_Zeiten wurde die Straßenbahn als wichtigstes Verkehrsmittel ausgebaut. Diese umweltfreundliche Entscheidung wurde nach der Wende übernommen.

Der Dom überragt den Marktplatz von Schwerin und ist aus keiner Richtung zu verfehlen. Am besten benutzen Sie die Parkhäuser der Stadt (Fußweg rund 500 Meter) oder den nahen Parkplatz Grüne Straße. Hartmut Nieswandt

Der Dom ist täglich geöffnet (Montags bis sonnabends 11 bis 15 Uhr, Sonn- und feiertags 12 bis 15 Uhr). Infos zu Öffnungszeiten und Führungen unter Rufnummer 0385 565014. Weitere Informationen: www.schwerin.m-vp.de, www.schweriner.de, www.dom-schwerin.de, www.kirche-mv.de. Schwerin ist gut per Bahn sowohl von Hamburg, Rostock als auch von Berlin aus zu erreichen. Mit dem Auto kommt man über die A 20, A 24 und A 14 zügig in die mecklenburgische Landeshauptstadt.