Die Neue Philharmonie MV gastiert in der Lutherkirche Eggesin.

Die Neue Philharmonie MV spielt Klassik für alle

Bei „Stadt. Land. Klassik!“ tourt mit der Neuen Philharmonie MV ein über 40 Mann starkes Orchester mehrmals im Jahr durch Mecklenburg-Vorpommern. Das ist so ziemlich das Unterhaltsamste, was in der Fläche geboten wird. Fünf gute Gründe, warum man die Musikreihe erlebt haben muss.

Für klassische Konzerte besucht man gemeinhin die etablierten Spielstätten in Neubrandenburg, Berlin oder Hamburg. Bei „Stadt. Land. Klassik!“, jenem unkonventionellen und frischen Musikspektakel, das auch in der laufenden zweiten Spielzeit wieder für große Begeisterung sorgt, ist das umgekehrt: Da beglückt ein Orchester die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern beinahe vor der eigenen Haustür.

Claudia Schneider und Andreas Schulz organisieren „Stadt. Land. Klassik!“. Fotos: I. Nehls

Seit 2018 führt die Neue Philharmonie MV unter der Leitung von Andreas Schulz nun schon musikalische Wege übers Land. Der Erfolg in Mecklenburg-Vorpommern gibt dem Sinfonieorchester recht. „Wir haben viel positives Feedback erhalten“, sagt Dirigent Schulz. „Die Begeisterung der Menschen ist phänomenal“, stimmt Claudia Schneider von der Nordkurier Mediengruppe zu, die „Stadt. Land. Klassik!“ mitorganisiert.

Stimmung zwischen mitreißend und überwältigend

Rund 15000 Gästen sind seither in den Genuss eines Konzertes der Reihe gekommen. Die Stimmung pendelte jedes Mal zwischen mitreißend und überwältigend. Dabei spielte es keine Rolle, ob die Musiker in Kirchen, Kulturstätten, Schulen oder sogar in Sporthallen auftraten. Im Gegenteil, die unterschiedlichen Locations machten die Konzerte erst einzigartig. Nicht nur, was den Klang betraf, der in einem Kino nicht ganz so exzellent ist wie in der Neubrandenburger Konzertkirche: Diese oft recht ungewöhnlichen Orte eröffneten zudem eine Nähe, eine Intimität zwischen Orchester und Publikum.

Der Bürgersaal in Waren (Müritz) ist so was wie das Wohnzimmer der Neuen Philharmonie.

Mitunter saß die Neue Philharmonie MV derart unmittelbar und hautnah vor ihren Zuhörern, dass diese der Konzertmeisterin übers Notenblatt gucken konnten. Die Niedrigschwelligkeit ist durchaus gewollt: „Wir spielen Klassik nicht für ein elitäres Publikum, sondern für alle“, sagt Schulz.

Stadt. Land. Klassik! ist ein Pilotprojekt in Mecklenburg-Vorpommern

Das spiegelt sich auch in den Eintrittspreisen wider, die Karte kostet knapp über 20 Euro. „Wir sind froh und dankbar, dass uns Mecklenburg-Vorpommern finanziell unterstützt“, erklärt der Orchesterleiter. Die Förderung aus Landesmitteln ist zunächst auf vier Jahre angelegt und dient einem guten Zweck: „Kultur ist wichtig für unsere Gesellschaft“, sagt Claudia Schneider, „ist ein Spiegel unserer Gesellschaft.“

Mit Konzerten in Waren, Malchow, Teterow, Anklam oder Pasewalk knüpft „Stadt. Land. Klassik!“ an eine Tradition an – zu DDR-Zeiten bis kurz nach der Wende reiste die Philharmonie Neubrandenburg regelmäßig durch die Region. Die Neue Philharmonie MV realisiert hier und heute ein Pilotprojekt in MV, das vielleicht bald in andere Bundesländern exportiert werden könnte …

Konzerte ohne Strom sorgen für echte Begeisterung

Der wohl wichtigste Grund, einmal ein Konzert der Neuen Philharmonie MV erlebt haben zu müssen, ist neben der beeindruckenden Qualität des jungen Orchesters seine kluge Programmauswahl, für die Dirigent Schulz verantwortlich zeichnet. Im April präsentiert er wieder Perlen der Klassik. Dann werden „Der Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saëns und Pjotr Iljitsch Tschaikowskis „Sinfonie Nr. 5 e-Moll“ aufgeführt.

Kinderkonzerte liegen der Neuen Philharmonie MV besonders am Herzen. Foto: G. Wagner

Besucher in Waren kommen in den Genuss von Robert Schumanns Klavierkonzert. Das Solo übernimmt Pianist Daniel Seng. Auch das gehört zur Tradition bei der Neuen Philharmonie: Musikern solche Räume zu öffnen. Neben der Nachwuchsförderung liegt Andreas Schulz die musikalische Bildung am Herzen. Aus diesem Grund gibt es bei „Stadt. Land. Klassik!“ regelmäßig Kinderkonzerte, die von Schulklassen dankbar angenommen werden. 

Konzerte ohne Strom, echte Liveerlebnisse in Youtube-Zeiten, ehrliche Begeisterung der Menschen, das alles macht „Stadt. Land. Klassik!“ aus. Man braucht keine Vorkenntnisse, wie Organisatorin Schneider betont: „Unsere Moderatoren führen unterhaltsam durch den Abend“. Sirko Salka

Termine „Stadt. Land. Klassik!“: Eggesin, 19.4., 16 Uhr, Teterow, 20.4., Waren (Müritz), 21.4., Pasewalk, 22.4., Anklam, 23.4., Röbel (Müritz), 24.4. – alle 19 Uhr – Tickets gibt an den bekannten Vorverkaufsstellen, bei Nordkurier Tickets in Neubrandenburg (Turmstr. 13 und F-Engels-Ring 29) sowie telefonisch unter 0800 4575 033 (Anruf kostenfrei).

Weitere Infos unter www.stadt-land-klassik.de

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