Der Schwebende" von Ernst Barlach ist eine überlebensgroße Bronzefigur, die Ernst Barlach 1927 als Mahnmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs schuf.

Das Rätsel um den schwebenden Engel im Güstrower Dom

Der Güstrower Dom an sich ist schon unbedingt sehenswert. Doch die Kirche im Stile der Norddeutschen Backsteingotik birgt in sich eine Weltberühmtheit. „Der Schwebende“ ist eine überlebensgroße Bronzefigur von Ernst Barlach. Das ist bei weitem nicht das einzige Kunstwerk des Bildhauers, das man in Güstrow bewundern kann.

Was tun in Güstrow, wenn man nur einen Tag Zeit hat, um die rund 30 000 Einwohner zählende Stadt zu erkunden? Auf jeden Fall: nicht alles wollen! Denn die Stadt zwischen Rostock und Waren (Müritz) explodiert geradezu vor Sehenswürdigkeiten. Sie war Residenzstadt der Mecklenburgischen Herzöge. Das sieht man ihr noch immer an – zum Beispiel durch das prächtige Renaissanceschloss aus dem 16. Jahrhundert.

Der Güstrower Dom ist eine Kirche im Stil der Norddeutschen Backsteingotik.
Der Güstrower Dom ist eine Kirche im Stil der Norddeutschen Backsteingotik.  Foto: ©pixssell – stock.adobe.com

Güstrow ist aus gutem Grund die Barlachstadt

Die Altstadt beeindruckt mit Fachwerk und Backsteingotik, mit imposanten Bürgerhäusern und dem klassizistischen Rathaus. Auch das Stadtmuseum, die Krippenausstellung in der Heilig-Geist-Kirche, Galerien, versteckte Cafés und malerische Hinterhöfe machen den Besuch zu einem besonderen Kulturgenuss. Im Wildpark kann man dem Wolf ins Auge blicken oder im spektakulären Aqua-Tunnel wandeln…

Urlaubsangebote und Übernachtungen in Güstrow finden Sie hier

Aber Güstrow ist auch Barlach, darum heißt der Ort auch Barlachstadt. Darum gehören das Ernst-Barlach-Museen und die Gertrudenkapelle zu den kulturellen Perlen der Stadt. Und: Weltweit berühmt ist „Der Schwebende“ im Dom. Darum sei dem Kulturinteressierten, der in Güstrow nur wenig Zeit hat, empfohlen, sich auf Ernst Barlach zu konzentrieren. Die gotische Gertrudenkapelle wurde 1953 als erstes Barlach-Museum in Güstrow eröffnet.

Die Gertrudenkapelle ist ein spätgotischer Backsteinbau aus dem 15. Jahrhundert. 
Die Gertrudenkapelle ist ein spätgotischer Backsteinbau aus dem 15. Jahrhundert.  Foto: Hartmut Nieswandt

Die Kapelle beherbergt etwa 30 Plastiken und Reliefs von Ernst Barlach, die ausnahmslos in seiner Güstrower Zeit entstanden sind. Die Kapelle ist ein spätgotischer Backsteinbau aus dem 15. Jahrhundert. Bis Mitte des 16. Jahrhunderts wurde sie als Siechen-, später als Friedhofskapelle genutzt. 1936 gestalteten die Nationalsozialisten sie zur „Ahnenhalle“ um.

Getrudenkapelle ist im Sommer Spielstätte für Konzerte

1953 wurde nach umfassender Restaurierung die Gedenkstätte für Ernst Barlach, den Bildhauer, Grafiker und Dramatiker, eingeweiht. Er lebte von 1910 bis zu seinem Tod 1938 in Güstrow. Im Ausstellungsraum sind neben Skulpturen und Plastiken wie zum Beispiel „Lesende Klosterschüler“ und „Gefesselte Hexe“ auch die Figuren der „Gemeinschaft der Heiligen“ oder „Der Zweifler“ zu sehen. In den Sommermonaten wird die Gertrudenkapelle auch als Spielstätte für Konzerte genutzt.

Im Güstrower Dom ist die weltberühmte Barlach-Plastik "Der Schwebende" zu sehen.
Im Güstrower Dom ist die weltberühmte Barlach-Plastik „Der Schwebende“ zu sehen. Foto: Hartmut Nieswandt

Weltberühmt ist „Der Schwebende“, den Barlach als Ehrenmal für die Opfer des Ersten Weltkrieges 1927 für den Güstrower Dom schuf. Die Augen des Schwebenden sind geschlossen, das Gesicht trägt die Züge der Käthe Kollwitz, mit der Barlach befreundet war. Am 23. August 1937 wurde der Schwebende als „entartete Kunst“ aus dem Dom entfernt und später eingeschmolzen. Freunde Barlachs haben 1939 mit großem Einsatz einen Zweitguss herstellen lassen, der in der Lüneburger Heide versteckt werden konnte.

Weitere Meckpomm-Tipps finden Sie hier

Besonderes Engagement von Barlachs Lebensgefährtin

Dieser Schwebende fand seinen Platz in der Antoniterkirche in Köln, von ihm konnte eine neue Gußform hergestellt werden, die den Güstrower Schwebenden möglich machte. Seit dem 8. März 1953 schwebt der Engel wieder im Dom. Das zweite Werk von Barlach im Dom, „Der Gekreuzigte“, ist ein Entwurf aus dem Jahr 1918 für einen Soldatenfriedhof. „Der Apostel“, das dritte Werk, ist ein Terrakottarelief aus dem Jahr 1925.

Marga Böhmer im Jahr 1951 in ihrer Wohnung in der Gertrudenkapelle in Güstrow. Foto: Deutsche Fotothek
Marga Böhmer im Jahr 1951 in ihrer Wohnung in der Gertrudenkapelle in Güstrow. Foto: Deutsche Fotothek

An der Kapelle erinnert eine Gedenktafel an Marga Böhmer, der Lebensgefährtin von Ernst Barlach. Sie war die treibende Kraft bei der Verwirklichung des Gedenkstätten-Projektes in der Kapelle. Ihr ist es zu danken, dass der Wunsch Barlachs, an diesem würdigen Ort seine Werke auszustellen, in Erfüllung ging. Sie fand im später im zu einer Wohnung ausgebauten Obergeschoss der Kapelle ihr Zuhause. Hartmut Nieswandt

Weitere Informationen: www.guestrow-tourismus.de, www.ernst-barlach-stiftung.de, www.mecklenburgische-seenplatte.de, www.guestrow.m-vp.de, Dom-Führungen auf Anmeldung unter der Rufnummer 03843 682433.

Das könnte Sie auch interessieren:
Auf Schloss Ludwigslust wurde Pappmaché in pures Gold verwandelt
In der Schleifmühle Schwerin wurde am Märchenschloss geschleift
Britische Queen aus Mecklenburg-Strelitz wuchs in Mirow auf