Einsamkeit: Im Naturpark Nossentiner Heide leben vielleicht mehr Damtiere als Menschen. Foto: Archiv Nordkurier

Adler, Wisent, Millionen Sterne – So idyllisch ist Urlaub in Mecklenburg

Majestätische Seeadler, seltene Fischotter und wilde Wisente sind im Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide zu Hause. Hier ist der Urlaub in Mecklenburg besonders abgeschieden und idyllisch. In den klaren Nächten am Drewitzer See erlebt man ein wahres Naturspektakel, ganz im Einklang mit Flora und Fauna. Menschen trifft man in der Region eher selten an.

Der Sternenpark am Drewitzer See

Die Sensation kommt auf leisen Sohlen mitten in der Nacht: „Das ist doch nicht möglich, dass es so viele Sterne gibt!“, ruft der Berliner, der seinen Urlaub in Mecklenburg verbringt und am Drewitzer See in den Himmel blickt. Es gibt tatsächlich so viele Sterne – und am Drewitzer See mitten in der Nossentiner/Schwinzer Heide sieht man sie in klarer Nacht auch alle. In diesem Naturpark gleichen Namens leben nur neun Menschen pro Quadratkilometer.

Das ist kein Vulkan sondern der ganz normale Sternenhimmel über dem Naturpark. Foto: Archiv Nordkurier
Das ist kein Vulkan sondern der ganz normale Sternenhimmel über dem Naturpark, den man beim Urlaub in Mecklenburg erleben kann. Foto: Archiv Nordkurier

Darum ist dort halt niemand da, der mit seinem Licht den Sternen Konkurrenz macht und sie verblassen lässt – wie beispielsweise in Berlin, wo sich 4055 Menschen pro Quadratkilometer tummeln. Dieses unbeschreibliche Erlebnis Sternenhimmel wird im Naturpark übrigens unter dem Namen „Sternenpark“ als wirkliches Erlebnis angeboten.

Der Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide mitten in Mecklenburg erstreckt sich auf einer Fläche von 365 Quadratkilometern (Berlin zum Vergleich: 891). Er ist also sehr dünn besiedelt. Kernstück des Naturparks ist ein riesiger Flächensander, der heute von weiten Wäldern (55 Prozent) bedeckt ist. Eingelagert sind auf 14 Prozent der Fläche 60 Seen wie beispielsweise der schon erwähnte wunderbare Klarwassersee Drewitzer See. 16 Naturschutzgebiete nehmen 19 Prozent der Fläche ein, der gesamte Naturpark ist Europäisches Vogelschutzgebiet.

Wanderungen auf Rad, Pferd oder zu Fuß

Landwirtschaft wird nur in den Randbereichen betrieben. Der Park ist über ein Netz von Rad-, Wander- und Reitwegen erschlossen. Wer seinen Urlaub in Mecklenburg verbringen möchte, informiert sich am besten erst einmal im Kultur- und Informationszentrum „Karower Meiler“ (direkt an der Kreuzung B 192/B 103 nördlich von Plau am See). Hier erhalten die Gäste Informationen über die schönsten Wanderziele, Beobachtungspunkte, interessante Tiere und Pflanzen, zur Natur und Regionalgeschichte. Ganz in der Nähe und gut zu erreichen sind die Städte Goldberg, Krakow am See, Malchow und Waren (Müritz).

Der Naturpark bietet ständig interessante Führungen an - wie hier zum Nossentiner Kalkberg am Fleesensee. Foto: Hartmut Nieswandt
Der Naturpark bietet ständig interessante Führungen an – wie hier zum Nossentiner Kalkberg am Fleesensee. Foto: Hartmut Nieswandt

Heute ist der Naturpark geprägt durch weite Wälder, zahlreiche Seen, Moore, Dünen, Feuchtwiesen, Trockenrasen und Heiden sowie ruhige Dörfer. Diese Landschaft entstand durch die jüngste Eiszeit und durch das Wirtschaften der Menschen über viele Generationen. In alle Landschaftsstrukturen griffen die Menschen seit etwa 5 000 Jahren durch ihre Nutzung ein und veränderten ständig ihr Gesicht.

Slawen gründeten Siedlungen und Klöster

Die Slawen und später die deutschstämmigen Siedler sowie die Gründungen von Städten und Klöstern (Dobbertin und Malchow) im 13. Jahrhundert beeinflussten die Landschaftsentwicklung in hohem Maße, die vergangenen 250 Jahre hinterließen durch Raubbau am Wald besondere Spuren. 16 Glashütten, 23 Teeröfen, zwölf Kalköfen und 15 Ziegeleien sowie viele Holzmeiler führten um 1800 zur fast völligen Zerstörung des Waldes. Aus der Holznot heraus entwickelte sich eine geregelte Forstwirtschaft, die nach und nach den Wald als Kiefernforst wieder aufbaute.

Auf dem Damerower Werder können Naturfreunde Wisente aus nächster Nähe beobachten. Foto: Archiv Nordkurier
Auf dem Damerower Werder können Naturfreunde Wisente aus nächster Nähe beobachten. Foto: Archiv Nordkurier

Andererseits: Die vielfältige Naturausstattung und die geringe menschliche Bevölkerungsdichte sind die Hauptursachen dafür, das im heutigen Naturpark Tiere und Pflanzen vieler bedrohter Arten leben. So wurden zum Beispiel bisher über 140 Brutvogelarten nachgewiesen. Neunzig andere Vogelarten sind so genannte Durchzügler und Nahrungsgäste und unterstreichen die Bedeutung des Naturparks als Europäisches Vogelschutzgebiet.

Riesige Seeadler fliegen im Gleitflug an

Herausragend sind die Vorkommen von 15 bis 16 Seeadler-Brutpaaren, mehr als zehn Paaren des Fischadlers und zwölf bis 15 Brutpaaren der Großen Rohrdommel. Nicht nur die Sterne ziehen die Besucher in ihren Bann – viele Menschen sind begeistert, wenn sie den riesigen Seeadler im Gleitflug über die Seen und Wälder dahingleiten sehen.

Nicht zu schön um wahr zu sein: Blick auf einen der wunderbaren Klarwasserseen des Naturparks. Foto: Archiv Nordkurier
Nicht zu schön um wahr zu sein: Blick auf einen der wunderbaren Klarwasserseen des Naturparks. Foto: Archiv Nordkurier

Er ist der Symbolvogel für den Naturpark. Von den Säugetieren ist besonders der Fischotter zu nennen, der das gesamte Gebiet besiedelt. Seltene Pflanzen wachsen an nährstoffarmen, trockenen oder nassen Standorten, zum Beispiel in den Uferbereichen der Klarwasserseen. Am Grund dieser Seen leben verschiedene Armleuchteralgen in ausgedehnten Rasen, die sind ein besonderes Kleinod im Naturpark.

Wisente, Giganten der Urzeit, ohne Scheu

Ein besonderes Naturerlebnis sind ebenfalls die Wisente am Jabelschen See. Dort leben bis zu 40 dieser wilden Rinder im Reservat Damerower Werder. Die Tiere sind nicht besonders scheu und lassen sich gut beobachten – vor allem bei den Fütterungen in den Schaugehegen täglich um 11 und 15 Uhr. Wer das Reservat im Frühjahr besucht, kann mit etwas Glück sogar die Geburt eines jungen Wisents miterleben.

Auf dem Damerower Werder können Naturfreunde Wisente aus nächster Nähe beobachten. Foto: Archiv Nordkurier
Auf dem Damerower Werder können Naturfreunde Wisente aus nächster Nähe beobachten. Foto: Archiv Nordkurier

Als die Wisentzucht auf dem Damerower Werder 1957 begann, waren die Tiere fast ausgestorben. Inzwischen werden dort pro Jahr etwa zehn Kälber geboren. Neben Wisenten lebt in dem Park auch Rotwild in einem eigenen Gatter. Ein Walderlebnispfad bietet viele interessante Stationen, die den Urlaub in Mecklenburg unvergesslich machen.

Hier finden Sie weitere Meckpomm-Tipps

Noch ein Blick in die menschliche Geschichte: Benediktinermönche gründeten 1220 das Kloster in Dobbertin. Viele Dörfer der Gegend gibt es seit dem 13. Jahrhundert und noch heute finden sich Bauwerke aus jener Zeit. Dazu gehört auch das Dobbertiner Kloster. Neben den Guts- und Bauerndörfern gibt es noch Siedlungen, die aus der Zeit der Glasverhüttung und Teerschwelerei stammen wie zum Beispiel Nossentiner Hütte.

Das Kloster Dobbertin ist bis heute ein interessantes Zeugnis menschlicher Besiedlung im Gebiet des heutigen Naturparks. Foto: Archiv Nordkurier
Das Kloster Dobbertin ist bis heute ein interessantes Zeugnis menschlicher Besiedlung im Gebiet des heutigen Naturparks. Foto: Archiv Nordkurier

In der waldreichen Gegend wurden unzählige Bäume gerodet, um Boden für den Ackerbau zu gewinnen. Das Holz wurde in Teerschwelereien zu Holzteer, etwa für den Schiffbau und die Fischerei, sowie zu Holzkohle verarbeitet. Im 20. Jahrhundert verlor der Holzteer durch industriell gewonnene Teerprodukte seine Absatzmärkte, der letzte Teerofen wurde 1952 geschlossen. Trotzdem können sich Besucher noch immer ein Bild von der Funktionsweise machen. In Sparow entstand in den 1990er-Jahren nach alten Plänen ein neuer Ofen, der größte aktive Teerofen in Europa.

Künstler und Fotografen im Naturpark

Zentrale Anlaufstelle des Naturparks Nossentiner/Schwinzer Heide ist der „Karower Meiler“. Neben einer ständigen Ausstellung zur Entwicklung dieser Kulturlandschaft werden jährlich fünf bis sechs Sonderausstellungen von Künstlern und Fotografen zu Themen von Natur und Landschaft gezeigt. Vorträge und Feste im oder rund um den Karower Meiler ergänzen das Jahresprogramm.

Der Karower Meiler ist Zentrum und Anlaufpunkt im Naturpark Nossentibner/Schwinzer Heide. Foto: Archiv Nordkurier
Der Karower Meiler ist Zentrum und Anlaufpunkt im Naturpark Nossentibner/Schwinzer Heide. Foto: Archiv Nordkurier

Viele Exkursionen mit Naturpark-Rangern beginnen und enden hier. Wer kein eigenes Fahrrad dabei hat, kann im Karower Meiler eins ausleihen. Während der Öffnungszeiten stehen den Gästen Ranger und andere Mitarbeiter des Naturparks mit Rat und Tat zur Verfügung. Rufnummer 038738 73900. Der Meiler ist mit dem Auto gut über die A 19,  Anschlussstellen Malchow oder Linstow, sowie über die B 103 und B 192 zu erreichen. Weitere Informationen: Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide, Ziegenhorn 1, 19395 Plau am See, Ortsteil Karow, www.naturpark-nossentiner-schwinzer-heide.de, www.mecklenburgische-seenplatte.de, www.plau.de, www.mecklenburg-schwerin.de. Hartmut Nieswandt