Warnefornia: wo die Wellen nach Zeitplan kommen

Es gibt nicht viele Dinge im Leben, auf die man sich verlassen kann. Auf die Fährwelle in Warnemünde schon. Punktgenau, alle zwei Stunden, kommt sie angerauscht. Wenn die Fähren von Scandlines in den Hafen einkehren, werden die Surfer am Strand munter wie Raubkatzen zur Fütterung. In Scharen laufen sie dann mit ihren Brettern in das immer unruhiger werdende Wasser und paddeln mit aller Kraft gegen die Strömung. Es gilt, das "Meer zu lesen" - den steilsten und höchsten Punkt, den sogenannten Peak, der Welle auszumachen, um sie so perfekt wie möglich zu reiten, sagt Martin Richter. Er und seine Leute haben die  Wirkung der Fährwellen vor ein paar Jahren erkannt. Seine ersten Surferfahrungen hat der Schweriner an der französischen Atlantikküste gesammelt. Auch Wellen in Australien und Indonesien hat er genommen. Besonders die linksbrechenden Wellen auf Bali seien sehr gnädig zu ihm als "Goofy-Surfer", quasi als Linksfüßler auf dem Brett.

Auch wenn er mit Vorliebe die Weltmeere reitet, sein zu Hause hat der 31-Jährige aus Schwerin seit ein paar Jahren in "Warnefornia" - so haben er und seine Leute das Surf-Eldorado am Warnemünder Strand getauft. Bei Anfängerkursen, in Strandbars und Surfshops kommen dort Anhänger des Wassersports aus ganz Deutschland zusammen, fabulieren über die besten Spots, Ausrüstung und Weltrekorde. "Wir sind hier nicht mehr im tiefsten Osten. Es hat sich viel getan. Wo sonst kann man sich so entspannt im Stadthafen treiben lassen", sagt er und bezieht sich auf die sogenannten SUP-Touren  - Stand Up Paddler - bei denen sie auf einem Surfboard stehend mit Gästen die Warnow entlang paddeln. Rostock sei eben die "Surfcity" von Mecklenburg-Vorpommern. Keine andere Stadt in Deutschland hat einen Strand als offiziellen Stadtteil, sagt Martin Richter stolz über seine Wahlheimat, in der er studiert hat und nun einen Surfshop führt. Dort kommen sie ab und an vorbei, die angereisten Windsurfer aus Berlin und Umgebung, um sich nach den vielen Stehrevieren zu erkundigen, in denen sie sich austoben können.

Denn bis auf den 15-Minuten-Kick der berühmten Fährwelle bedeutet Surfen in Mecklenburg-Vorpommern meist "im Sturm sitzen".Wenn´s richtig Wind hat und Badegäste lieber am Ufer verweilen oder aus geheizten Cafés heraus die Küste beobachten, dann füllen sich die Strände mit VW-Bussen, aus denen Figuren im schwarzen Neoprenanzug hüpfen. "Mit netten Urlaubern teilen wir auch mal den einen oder anderen Geheimtipp", sagt Martin Richter über die besten Surfplätze. Und doch behalten er und seine Leute ihr Wissen manchmal auch bewusst für sich. Denn nicht nur das viele Wasser mache den einzigartigen Reiz von Mecklenburg-Vorpommern aus: "Hier ist es einfach nicht so vollgepackt wie in anderen Bundesländern."

Meckpomm. Aber sonst ist alles Urlaub.




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