Helgoland der Ostsee lockt mit viel Natur

- Auf der Greifwalder Oie steht noch heute der leuchtstärkste Leuchtturm Mecklenburg-Vorpommern.
Bei Strandspaziergängen im Usedomer Norden erscheint sie wie eine ferne Verlockung am Horizont: die Greifswalder Oie. Jahrzehntelang für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, gehört sie heute zu den heißesten Tipps für einen Tagesausflug für Usedom-Urlauber. Damit das seit 1993 vom Verein Jordsand betreute Naturschutzgebiet nicht zu stark belastet wird, ist die Besucherzahl jedoch streng limitiert. Nur das Fahrgastschiff MS "Seeadler" darf die Insel mit maximal 50 Gästen pro Tag anlaufen. Diese sollten übrigens eine gewisse Seefestigkeit mitbringen, denn im Gegensatz zu einer Tour auf den Ruden in der geschützten Peenemündung führt die Fahrt zur Oie auf die offene Ostsee, wo es schon etwas stärker schaukeln kann. Doch die 90-minütige Fahrt lohnt sich auf jeden Fall, denn nicht umsonst wird die Greifswalder Oie gerne als "Helgoland der Ostsee" bezeichnet. Der Vergleich bezieht sich indes weniger auf die Steilküste, die sich mit einer Höhe von 17 Metern am Ostkliff recht bescheiden gegenüber der "Langen Anna" auf Helgoland ausnimmt, sondern auf ihre Bedeutung für den Vogelzug. Denn sie ist gerade für kleine Singvögel ein wichtiger "Trittstein" bei der Ostseeüberquerung. Rund 20 000 Exemplare der gefiederten Gäste werden jedes Jahr von Ornithologen gefangen und mit einem Ring am Bein wieder freigelassen. Einen Überblick über die Tierwelt der Greifswalder Oie können sich die Besucher im Infozentrum am Inselhof verschaffen. Hier gibt es auch eine kleine Ausstellung zur bewegten Geschichte der 1,5 Kilometer langen und 370 bis 570 Meter breiten Insel. Historische Fotos erinnern daran, dass die Oie bis in die 1930-er Jahre vor allem landwirtschaftlich genutzt wurde. Im Inselhof fanden sich damals zudem einige Fremdenzimmer. Doch bald quartierte sich dort das Militär ein. Ab 1937 fanden hier die ersten Raketenversuche statt, die später in den Peenemünder Versuchsanstalten ausgeweitet wurden. Auch nach 1945 blieb die Insel militärisches Sperrgebiet, das zunächst von der Roten Armee, danach bis zur Wende von der NVA kontrolliert wurde. Altlasten der militärischen Vergangenheit sind beim Inselrundgang noch deutlich zu erkennen, auch wenn die Natur seit fast 20 Jahren wieder die Hauptrolle spielt.
Abschließender Höhepunkt der zweistündigen Erkundungstour ist für viele Besucher die seit der Restaurierung mögliche Besteigung des 1853 bis 1855 errichteten Leuchtturms mit seinen 150 Stufen. Noch heute besitzt er das lichtstärkste Leuchtfeuer in Mecklenburg-Vorpommern - und das einzige links drehende. Seine Strahlen reichen 26 Seemeilen auf die Ostsee hinaus. Bei gutem Wetter bietet sich den Besuchern ein beeindruckender Rundumblick.




